Number 26: Gratiskonto-Anbieter setzt Kunden vor die Tür

6. Juni 2016, 18:13
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Konto, Maestro- und Mastercard sind beim österreichischen Start-up gratis. Jetzt wurden Kunden gekündigt, weil sie zu häufig Geld abhoben

Berlin – Das österreichische Banken-Start-up Number 26 muss erklären, wie die Ansage, dass jeder Kunde wichtig sei und dennoch 500 von ihnen das Konto überraschend gekündigt wurde, zusammengehen. Das Fintec mit Sitz in Berlin hat deutsche und österreichische Nutzer unsanft "vor die Tür gesetzt". In Österreich belief sich die Zahl laut Unternehmensangaben auf rund 20.

Number 26 bietet ein kostenloses Girokonto für Mobile und Onlinebanking. Seit 2015 haben die Jungunternehmer Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf 160.000 Kunden geködert. Für die überraschten Exkunden hieß es, ihr Nutzerverhalten sei nicht mit dem Angebot vereinbar. Geld nimmt das Start-up von Einzelhändlern ein, wenn die Kunden ihre Einkäufe dort mit Kreditkarte bezahlen (Interchange-Gebühr), oder von Kunden, wenn diese ihr Konto überziehen. Zinsen auf Kontoguthaben gibt es nicht.

Ungewöhnliches Nutzerverhalten

Die Einnahmen dürften allerdings nicht reichen, um in die Gewinnzone zu kommen. Number 26 entstehen jedes Mal Kosten – zwischen 1,50 und zwei Euro, wenn deutsche Kunden bei einem Geldautomaten Geld abheben, 40 Cent bis ein Euro macht das in Österreich. "Die Gebühren übernehmen wir in der Annahme, dass Kunden das Konto in gewöhnlichem Ausmaß verwenden", heißt es. Man habe vor allem jene gekündigt, die im Durchschnitt mehr als 15-mal im Monat Geld behoben hätten – wegen "ungewöhnlichen Nutzerverhaltens". Da seien eben auch Kunden darunter gewesen, die 30-mal zum Bankomat gepilgert seien, sagt Valentin Stalf dem STANDARD.

Nun wird an einem Fair-Use-Modell gearbeitet, sagt Stalf. Für österreichische Kunden könnte es etwas anders aussehen als für deutsche. Die Zahl der kostenfreien Abhebungen am Bankomaten wird vermutlich kontingentiert. Laut Stalf kommen die ersten Kunden auch schon wieder zurück.

Von Wien nach Berlin

Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf gründeten Number 26 in Wien, wechselten ihren Firmensitz aber nach einem Monat bereits nach Berlin. Bisher wurden zwölf Millionen Euro an Investments eingesammelt, das Start-up arbeitet mit der deutschen Wirecard Bank AG zusammen, die über eine Bankenlizenz verfügt. Die beiden Gründer Tayenthal und Stalf halten noch rund die Hälfte der Firmenanteile, der Rest wird von Risikokapitalgebern und Business Angels gehalten.

Das Konto kann online innerhalb von acht Minuten beantragt werden. Derzeit können Kunden mit Wohnadresse in Deutschland, Österreich, Irland, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und Slowakei ein Number-26-Girokonto eröffnen. (rebu, 7.6.2016)

  • Die Lust am ausgiebigen Abheben wurde Number 26 bei manchen Kunden zuviel.
    foto: apa/fohringer

    Die Lust am ausgiebigen Abheben wurde Number 26 bei manchen Kunden zuviel.

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