"Unglaublicher" Bericht über Zitteraale nun doch bestätigt

6. Juni 2016, 21:36
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Im Jahr 1800 hatte Alexander von Humboldt eine erstaunliche Begegnung mit Zitteraalen. Sein Bericht wurde lange angezweifelt

Nashville/Wien – Alexander von Humboldt erlebte während seiner Südamerika-Reise allerlei Ungewöhnliches. Doch sein Bericht über den Fang von Zitteraalen, die übrigens nicht zu den Aalen, sondern zu den Neuwelt-Messerfischen gehören, schien dann doch etwas unglaubwürdig.

Um die rund 1,6 Meter langen Fische zu fangen, jagten die lokalen Führer des Expeditionsteams 30 Pferde und Maultiere ins Wasser eines Tümpels in Venezuela. "Ehe fünf Minuten vergingen, waren zwei Pferde ertrunken. Der Aal drängt sich dem Pferde an den Bauch und gibt ihm einen Schlag. Aber allmählich nimmt die Hitze des ungleichen Kampfes ab, und die erschöpften Aale zerstreuen sich. In wenigen Minuten hatten wir fünf große Aale."

Seitdem konnte kein Forscher mehr ein ähnliches Verhalten beobachten. Doch mehr als 200 Jahre danach gelang es nun Ken Catania (Vanderbilt University), die Beschreibungen von Humboldts bei Experimenten mit Zitteraalen im Aquarium nachvollziehbar zu machen. Catania gilt als der zurzeit weltweit führende Zitteraalexperte und hat bereits einige Rätsel um die geheimnisvollen Tiere gelöst: So fand er heraus, dass Zitteraale die Wirkung ihrer Stromstöße verdoppeln können, indem sie ihr Hinterende nach vorne kringeln. Oder dass sie die elektrischen Signale auch zur Jagd verwenden.

Geschlossener Stromkreis

Warum aber sprangen die Fische vor mehr als 200 Jahren die Pferde an? Wie Catania im Fachblatt "PNAS" berichtet, sei er auf das seltsame Verhalten aufmerksam geworden, als er die Fische mit einem Kescher in ein anderes Aquarium transportieren wollte, was zu buchstäblich schockierenden Attacken führte.

Bald hatte er die Gründe für die Angriffe analysiert: Zum einen werden die Tiere besonders aggressiv, wenn im Aquarium nur mehr wenig Wasser ist. Vermutlich ist der Besuch von Humboldts in Venezuela auch in die Trockenzeit gefallen. Zum anderen können die Tiere beim Heraushechten besonders starke Stromschläge anbringen, wie Messungen zeigten.

Das wieder hat mit Physik zu tun: Stromschläge (mit Spannungen von bis zu 800 Volt!) werden unter Wasser relativ gleichmäßig verteilt. Heben die Tiere ihren Körper hingegen aus dem Wasser, leiten sie den Strom von ihrem Kinn direkt in ihr Opfer; der geht dann durch dessen Körper hindurch und schließt sich über den Schwanz des Zitteraals zu einem Stromkreis.

So können Feinde, die in ihr Territorium eindringen (wie etwa die Pferde im Jahr 1800), mit maximaler Spannung attackiert und betäubt werden. Ungelöst bleibt aber ein weiteres Rätsel, dem Catania womöglich auch noch nachgehen will: Warum überstehen die Zitteraale die Stromattacken relativ unbeschadet? (tasch, 6.6.2016)

  • Ein Zitteraal attackiert die Attrappe eines Alligators. Warum der Fisch dabei aus dem Wasser schnellt, erklären die Skizzen darunter: Die Spannung der Stromstöße wird dadurch für das Opfer maximiert.
    foto: ken catania

    Ein Zitteraal attackiert die Attrappe eines Alligators. Warum der Fisch dabei aus dem Wasser schnellt, erklären die Skizzen darunter: Die Spannung der Stromstöße wird dadurch für das Opfer maximiert.

  • ken catania
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