Nowotny sieht akute Deflationsgefahr in Eurozone überwunden

6. Juni 2016, 15:35
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EZB-Prognosen: Inflation wird 2017 und 2018 deutlich anziehen – Volksbanken kritisieren EZB-Käufe von Firmenanleihen

Wien – Die Eurozone hat aus Sicht von Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny die unmittelbare Gefahr einer Abwärtsspirale bei den Preisen hinter sich gelassen. "Die Phase, in der wir in einer akuten Deflationsgefahr gewesen sind, diese Phase ist überwunden", sagte er am Montag.

Seinem EZB-Ratskollegen Jan Smets zufolge muss die Europäische Zentralbank (EZB) aber wachsam bleiben, dass sich die derzeitige Mini-Inflation nicht bei Preisen und Löhnen festsetzt.

Kommt es zu einem Abwärtssog bei Preisen, Gehältern sowie Investitionen, kann dies eine Wirtschaft für lange Zeit lähmen. Konsumenten halten sich dann in der Erwartung zurück, Produkte bald noch günstiger zu bekommen. Unternehmen verdienen weniger, schieben Investitionen auf und stellen keine Mitarbeiter mehr ein. Deswegen strebt die EZB eine Inflation von knapp zwei Prozent als idealen Wert für die Wirtschaft an.

Schritt vorwärts

"Ich glaube, dass die Europäische Zentralbank in ihrem eigentlichen Gebiet, nämlich im Inflationsbereich, durchaus einen deutlichen Sprung vorwärts gemacht hat", sagte Nowotny. Er verwies dabei auf die jüngsten Prognosen der EZB. Nachdem für die Eurozone für 2016 eine Inflationsrate von 0,2 Prozent erwartet werde, sei 2017 und 2018 mit einem Sprung auf 1,3 Prozent beziehungsweise 1,6 Prozent zu rechnen.

Auch Belgiens Notenbank-Chef Smets kann aktuell nicht erkennen, dass die Mini-Inflation sich bei Preisen und Löhnen festsetzt. "Wir sehen das bis jetzt nicht." Die EZB müsse aber auf alle Signale achten. Sie habe mit ihren geldpolitischen Schritten dafür gesorgt, dass die Preise nicht noch stärker abrutschten. Einige der beschlossenen Maßnahmen müssten zudem ihre Wirkung erst noch entfalten.

Auch Firmenbonds werden gekauft

Die Euro-Währungshüter hatten im März ein umfassendes Maßnahmenbündel auf den Weg gebracht. Sie beschlossen unter anderem, ihr großes Anleihenkaufprogramm um den Erwerb von Firmenbonds zu ergänzen. Mit diesen Käufen will die EZB am Mittwoch starten. Das stößt aber nicht überall auf Gegenliebe. Aus Sicht der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken schaden solche Transaktionen dem Mittelstand.

Für Firmen ohne Zugang zum Kapitalmarkt entstehe ein Wettbewerbsnachteil gegenüber Großunternehmen, erklärte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Für 99 Prozent der kleinen und mittelgroßen Firmen sei eine Finanzierung über Schuldtitel kein relevanter Weg. (APA, 6.6.2016)

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