Soziale Durchmischung an Fachhochschulen besser als an Unis

6. Juni 2016, 16:20
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FH-Studierende kommen öfter aus Nichtakademikerhaushalten. Verantwortlich dafür sind Angebot, Standort und Angebote für Späteinsteiger

Wien – Wenn es um soziale Durchmischung geht, schneiden Österreichs Fachhochschulen (FH) besser ab als die öffentlichen Unis. Das geht aus dem Bericht zur sozialen Lage der Studierenden des Instituts für Höhere Studien (IHS) hervor, den das Wissenschaftsministerium vergangene Woche veröffentlicht hat.

Sind Studenten aus "bildungsnaher Schicht" an Universitäten mit einem Faktor von 2,7 überrepräsentiert, liegt dieser Wert an FHs nur bei 1,8 (ein Wert von 1,0 würde bedeuten, dass der Anteil an Studierenden der jeweiligen Gruppe gleich groß ist wie in der Gesamtbevölkerung).

"Verschulung" nicht verantwortlich

Helmut Holzinger, Präsident der Fachhochschulenkonferenz, führt dies vor allem auf die gute Rekrutierung aus HAK, HTL und anderen berufsbildenden höheren Schulen (BHS) zurück: "Die FHs bieten ein sehr stark berufsfeldorientiertes Studium, und die Studiendauer ist im Schnitt kürzer." Das alles würde auch junge Menschen aus Nichtakademikerfamilien ansprechen.

Dass auch der strukturell geschmeidigere Übergang von der Schule zur FH im Vergleich zur Uni den höheren Anteil "bildungsferner" Gruppen fördern könnte, glaubt Holzinger allerdings nicht. Das universitäre Medizinstudium sei "extrem stark strukturiert" – das Wort "verschult" möchte der Geschäftsführer der FH des BFI Wien nicht in den Mund nehmen. Und die soziale Durchlässigkeit ist bei den angehenden Medizinern noch schlechter als im Uni-Durchschnitt.

Probleme bei Vereinbarkeit von FH und Job

Es sorgen aber noch mehr Faktoren dafür, dass die Studierendenschaft an FHs besser durchmischt ist: Standorte außerhalb der Ballungszentren etwa. Außerdem sind berufsbegleitend organisierte Studiengänge an FHs attraktiv für Späteinsteiger. Diese im Durchschnitt 28-jährigen "verzögerten" Studienanfänger stehen üblicherweise schon im Berufsleben und kommen öfter aus niedrigeren sozialen Schichten (DER STANDARD berichtete).

Sie sind es aber auch, die laut dem Bericht des Ministeriums am öftesten über Probleme bei der Vereinbarkeit von Studium und Beruf klagen – was kaum verwundert: Immerhin wenden sie im Durchschnitt neben 17,8 Stunden Erwerbsarbeit noch 28,4 Stunden fürs Studium auf – von allen ausgewiesenen Gruppen verbringen die befragten Spätberufenen am meisten Zeit mit Arbeit und Studium.

In berufsbegleitend ausgerichteten Studien bieten die FHs bereits "eine breite Palette an Maßnahmen", um berufstätigen Studenten das Leben zu erleichtern, argumentiert Holzinger: kürzere Ferien etwa, um die Unterrichtseinheiten besser zu verteilen. Änderungen bei der Anwesenheitspflicht möchte er pauschal nicht anregen – je nach didaktischem Konzept sei es einfach notwendig, dass die Studierenden physisch anwesend sind. Viele FHs hätten hier aber lockerere Regeln.

Weniger Frauen studieren berufsbegleitend

Stichwort Frauen: 53 Prozent der Vollzeit-FH-Studierenden sind weiblich – in den berufsbegleitenden Studien fällt der Anteil auf 41 Prozent. Das hängt mit dem höheren Alter berufstätiger Studenten zusammen, sagt Holzinger, "und natürlich ist das bei manchen Frauen genau die Zeit des Kinderkriegens". Offenbar lassen sich Männer vom Nachwuchs seltener vom Studium abhalten. Eine systemische Benachteiligung von Frauen an FHs schließt Holzinger jedenfalls aus, "darauf achten wir sehr genau".

Von der Politik wünscht sich Holzinger mehr Dynamik, "mehr Zug zum Tor". Konkret fordert er mehr Studienplätze an FHs, denn für jeden Studienplatz gibt es drei Bewerber – "das heißt, wir müssen zwei wegschicken". (sefe, 6.6.2016)

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