Rewe-Chef: Handel ist nicht an den niedrigen Milchpreisen schuld

6. Juni 2016, 10:52
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Nur ein Viertel der produzierten Menge gehe in den Lebensmittelhandel, sagt Rewe-Chef Frank Hensel

Wien / Wiener Neudorf – In der Milchpreiskrise hat sich nun auch Rewe-Chef Frank Hensel zu Wort gemeldet. "Der Einfluss des Handels auf die österreichische Milchproduktion und Preisgestaltung wird deutlich überschätzt", sagte er laut "Kronen Zeitung". Nur ein Viertel der produzierten Milchmenge gehe in den Lebensmittelhandel, bei Rewe seien es neun Prozent.

"Die restlichen drei Viertel gehen in Gastronomie, in Großküchen und vor allem in den Export", erklärte der Chef des Handelsriesen. Insbesondere auf dem internationalen Markt herrsche ein äußerst harter Preiskampf – "denn dort hat derjenige die Vormachtstellung, der am günstigsten produzieren kann", so Hensel. Derzeit werde fast überall billiger angeboten als in Österreich. Rewe (Billa, Merkur und Co) stehe jedenfalls in den aktuell schwierigen Zeiten zu den heimischen Bauern.

Fischler für Zinsstützungen

Ex-EU-Agrarkommissar Franz Fischler befürwortet indessen trotz massiver Kritik Zinsstützungen für Milchbauern. Vor allem jene Landwirte, denen in Zeiten guter Milchpreise von Molkereien und Experten geraten worden sei zu investieren, kämen jetzt stark unter Druck, so Fischler laut "Tiroler Tageszeitung".

Auf die Frage, ob es gerechtfertigt sei, dass das Land jetzt Bauern mit Zinsstützungen von 770.000 Euro für Agrarinvestitionen unter die Arme greift, obwohl sie für die Überproduktion verantwortlich sind, sagte Fischler: "Natürlich kann man das in einer Nachbetrachtung kritisieren, aber grundsätzlich ist die Vorgangsweise des Landes nicht falsch. Es muss im allgemeinen Interesse sein, dass die Vollerwerbsbauern nicht pleitegehen." Eine gewisse Stundung von Krediten sei ebenfalls nachvollziehbar, schließlich müssten die Bauern weiterproduzieren, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. (APA, 6.6.2016)

  • Der Milchpreis ist im Keller: Nun wird über Hilfen und die Schuldigen diskutiert.
    foto: dapd / guelland

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