"Mensch Gottschalk" am Sonntag auf RTL: Veteran der Nivellierung

6. Juni 2016, 12:48
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Im Gespräch gleich per du, auf moderatem Niveau schlagfertig, bloß ohne Wetten

"Es wird sich ziehen", versprach er am Anfang der fast vier Live-Stunden. TV-Söldner Thomas Gottschalk ist Sonntagabend wieder einmal in den Quotenkampf gezogen, diesmal mit "Mensch Gottschalk" auf RTL. Wenn’s gut läuft, soll er viermal im Jahr "mit normalen Menschen über normale Sachen sprechen". Er mache sich jetzt mehr Gedanken als früher, das liege an der Reife, sagte er und spoilerte den "Tatort" als Kampfansage an die traditionelle Sonntagabendkonkurrenz.

Dann war’s aber wie früher: im Gespräch gleich per du, auf moderatem Niveau schlagfertig, bloß ohne Wetten. Leichtigkeit mit ein wenig Seichtigkeit. Die Nostalgie umweht den Herbstblonden. Wer sonst dürfte salopp sagen, man müsse wegen der jungen Frauen über veganes Essen reden. Eine Art Stadtwette gibt’s auch.

Drei Handvoll Themen (Krebs, Flüchtlinge, "Let’s Dance", Trump usw.) – in je weniger als zehn Minuten durchdrungen und mit ein paar Show-Acts (Nena) garniert – später war man um manch Fazit reicher: "Europa ist nicht am Ende" (EU-Parlamentspräsident Martin Schulz), Terror ist die "neue Normalität" (zur Fußball-EM), "der kann schon viel mehr, als er darf" (ein neues Mercedes-Modell). Zum Schluss kam noch der bei "Wetten dass ...?" verunfallte Samuel Koch vorbei.

Ein bisschen ratlos und müde blieb man trotzdem zurück. Der Versuch, der erodierenden Gruppe jener, die heute noch vorm TV-Gerät sitzen, einen größten gemeinsamen Nenner zum Weltzustand zu liefern, ist gut gemeint. 170 Euro jedenfalls kriegt ein "Wer wird Millionär"-Gewinner für nicht mehr ganz eine Million Euro derzeit monatlich in Deutschland an Zinsen. Vieles kann erstaunen, Gottschalk aber war und bleibt Profi. (Michael Wurmitzer, 6.6.2016)

  • Thomas Gottschalk bei der "Goldenen Kamera", Februar 2016.
    foto: reuters/pool

    Thomas Gottschalk bei der "Goldenen Kamera", Februar 2016.

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