Ein Festivalbesucher und ein Asylwerber in Wien ertrunken

6. Juni 2016, 10:21
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Schwede und Somalier gestorben – Mädchen nach Badeunfall im Neusiedler See in Lebensgefahr

Wien – Bei zwei Badeunfällen auf der Wiener Donauinsel sind in der Nacht auf Montag ein Tourist aus Schweden und ein Asylwerber aus Somalia ums Leben gekommen. Der 47-jährige Schwede hatte das Festival Rock in Vienna besucht und begab sich danach direkt vom Konzertgelände ins Wasser, wo er ertrunken ist. Der 19-jährige Somalier fiel laut seinen Begleitern in die Neue Donau. Beide starben im Krankenhaus.

Die Einsatzkräfte wurden am Sonntag zunächst um 20.30 Uhr zur Brigittenauer Brücke nach Floridsdorf gerufen, wo der 19-Jährige ertrunken ist. Laut zwei Freunden stürzte er aus ungeklärter Ursache ins Wasser und tauchte nicht mehr auf. Feuerwehrtaucher und Einsatzkräfte der Wiener Berufsrettung suchten nach dem jungen Mann.

Der Somalier wurde gegen 21.45 Uhr bei der Brigittenauer Brücke leblos in der Neuen Donau entdeckt. Er wurde von Tauchern geborgen und unter Reanimationsmaßnahmen ins Spital gebracht. Dort starb der 19-Jährige in der Nacht auf Montag. Die Polizei schloss Fremdverschulden aus, Alkohol dürfte nicht im Spiel gewesen sein.

Bergung "unter sehr schwierigen Umständen"

Um 23.30 Uhr wurden Polizisten am nahegelegenen Gelände des Festivals Rock in Vienna von einer schwedischen Touristin angesprochen, deren Freund beim Baden untergegangen war. Die vier Beamten der Einsatzeinheit sprangen "in voller Montur inklusive Funkgeräte ins Wasser", berichtete Polizeisprecher Patrick Maierhofer. Der leblose 47-Jährige wurde "unter sehr schwierigen Umständen" geborgen und an Land gebracht. Die Polizisten begannen mit der Reanimation, der Rettungsdienst setzte laut Polizei viermal den Defibrillator ein. Der Schwede starb aber schließlich im Krankenhaus.

Das schwedische Paar war nach dem letzten Konzert bei der Schnellbahnbrücke auf der Donauinsel ins Wasser gegangen. Der 47-jährige ging plötzlich unter, seine Freundin konnte ihn nicht mehr hochziehen. Nach ihren Angaben hatten die beiden während des Festivals Alkohol getrunken – wie viel, war aber noch unklar.

Der Veranstalter zeigte sich betroffen von dem Unfall des Schweden. "Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten den Angehörigen und all seinen Freunden", teilte die Blue Moon Entertainment Gmbh am Nachmittag in einer Aussendung mit.

Mädchen im Neusiedler See ertrunken

In Lebensgefahr schwebt ein elfjähriges Mädchen, das am Sonntagnachmittag im Neusiedler See bei Breitenbrunn (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) untergegangen ist. Das Kind aus Afghanistan musste reanimiert werden. Die Elfjährige wohnt im Bezirk Wiener Neustadt in Niederösterreich. Zwei erwachsene Begleitpersonen nahmen sie zu einem Badeausflug mit.

Das Kind war mit einer sogenannten Schwimmnudel als Auftriebshilfe ins Wasser des Seebads Breitenbrunn gegangnen. Gegen 15.15 Uhr dürfte es wegen einer plötzlich vorbeischwimmenden Schlange erschrocken sein und die Schwimmhilfe verloren haben. Das Mädchen versuchte, zu einer Ausstiegsleiter zu gelangen, ging aber unter.

Badegäste sprangen ins Wasser und suchten nach dem Kind. Ein 52-jähriger Wiener ertastete die Elfjährige mit den Füßen in rund eineinhalb Meter Tiefe. Er zog sie sofort aus dem Wasser und begann mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Ein kurz danach eintreffender Arzt und ein First Responder stabilisierten das Kind laut Polizei. Das reanimierte Kind wurde mit dem Notarzthubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Die Polizei schloss Fremdverschulden vorerst aus. Details zu den Begleitpersonen wurden nicht bekanntgegeben, es handelte sich aber nicht um die Eltern des Mädchens. (APA, 6.6.2017)

Hintergrund:

In Österreich sind in den vergangenen drei Jahren insgesamt 114 Menschen ertrunken, jährlich waren es mindestens 30. Im Vorjahr starben nach vorläufigen Zahlen 31 Personen an den Folgen eines Ertrinkungsunfalls, hieß es vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) am Montag zur APA. In den meisten Fällen sind Unachtsamkeit und Selbstüberschätzung die Unfallursachen.

Neben Erwachsenen sind laut KFV Kleinkinder unter fünf Jahren besonders gefährdet. Ertrinken ist in dieser Altersgruppe die zweithäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen. "Kleinkinder können ihren Kopf noch nicht selbstständig aus dem Wasser ziehen. Sie sollten nie unbeaufsichtigt in der Nähe von Gewässern, Pools oder Bädern sein. Oft genügen nur wenige Minuten Ablenkung der Aufsichtspersonen, die für die Kleinen fatale Folgen haben können", warnte KFV-Direktor Othmar Thann. (APA)

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