Mietrecht: Die neuen Obdachlosen

Einserkastl5. Juni 2016, 18:42
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Der Sozialsprecher der Neos will Mietvertragskündigungen ohne Angabe von Gründen möglich machen

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine unbefristete Wohnung. Vielleicht frisch bezogen. Vielleicht wohnen Sie schon seit Jahrzehnten da. Entweder haben Sie also gerade Zeit und Mühe, Maklerprovision, Übersiedlungskosten und Kaution investiert. Oder Sie haben Möbel gekauft, sogar nach Maß bestellt, haben neue Tapeten ausgewählt, Böden abgeschliffen, eine optimal geplante Küche angespart.

Die Kinder haben einen guten Kindergarten- oder Schulplatz in der Nähe, Sie haben es nicht weit zum Arbeitsplatz. Vielleicht war das der Grund für die Wahl dieser Wohnung. Ihr Leben benötigt schließlich einen Mittelpunkt. Einen sicheren Rückzugsort. Vielleicht haben Sie einen Kredit aufgenommen. Den Bausparvertrag aufgelöst. Sie wollen ja irgendwo zu Hause sein.

Dann kommt die Kündigung aus heiterem Himmel wie ein Schicksalsschlag, der alles Gewohnte wegreißt. Der Vermieter braucht dafür keine Gründe oder gar Verfehlungen des Mieters. Sie haben nichts falsch gemacht, haben die Miete bezahlt, waren weder laut noch störend. Das ist egal. In zwölf Monaten haben Sie Ihr Heim zu räumen. Sie finden sich in der freien Wildbahn der unfreiwilligen Nomaden wieder: Neue Mietverträge sind oft mit nur sechs Monaten befristet. Mietobergrenzen gibt es keine.

Der Sozialsprecher der Neos hat vor, diese Änderungen für das Mietrecht zu fordern. Welcome to the jungle. (Julya Rabinowich, 6.6.2016)

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