Sobotka zu Altenfelden: "Ausrutscher" war "falsche Wortwahl"

5. Juni 2016, 18:20
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Anschlag auf Flüchtlingsheim laut Innenminister "selbstverständlich ein Verbrechen" – Altenfeldens Ortschef bei Demo: "Dürfen nicht weichen"

Altenfelden/Wien – Nach dem Brandanschlag auf ein neugebautes Flüchtlingswohnheim in der oberösterreichischen Gemeinde Altenfelden fand am Sonntag eine Solidaritätskundgebung statt, zu der die Sozialistische Jugend Rohrbach mit den Worten "Jeden Tag entscheiden wir selbst, in welchem Altenfelden wir leben" aufgerufen hatte. Schon zu Beginn der Kundgebung hatten sich viele aus der Gemeinde unmittelbar neben dem Brandort mit Plakaten und Transparenten eingefunden. "Schluss mit Hetze" oder "Brandstiftung ist ein Verbrechen", war darauf zu lesen. Die Menschen sangen "We are the World".

foto: rohrhofer
Die Menschen kamen unter dem Mottto "Jeden Tag entscheiden wir selbst, in welchem Altenfelden wir leben", zur Solidaritätskundgebung.

Zu der letztendlich überparteilichen Kundgebung mit rund 1000 Teilnehmern kamen Integrationslandesrat Rudi Anschober (Grüne) und Altenfeldens Bürgermeister Klaus Gattringer (ÖVP). Gattringer sagte: "Ich habe Angst, dass der Brandstifter noch einmal kommt, aber wir dürfen der Gewalt nicht weichen."

Sobotka gesteht "Ausrutscher"

Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) war am Wochenende auf Facebook darum bemüht, seine "falsche Wortwahl" bezüglich des Anschlags zu präzisieren: Bei der Tat handle es sich "selbstverständlich" um ein "Verbrechen, das in keinster Weise zu tolerieren, sondern zu verurteilen ist", erklärte Sobotka.

Der Innenminister hatte bei seinem Antrittsbesuch in Oberösterreich bei einer Pressekonferenz Stellung zu der Brandstiftung genommen und betont, der Vorfall im Bezirk Rohrbach müsse jedenfalls ein "Ausrutscher" bleiben. Die Wortwahl des Innenministers sorgte daraufhin in den sozialen Medien für große Empörung.

Ermittlungen auf Hochtouren

Die Unterkunft war zum Zeitpunkt des Anschlags noch unbewohnt gewesen, weshalb es keine Opfer gab. Seither hatte sich die Polizei eher in Schweigen gehüllt: Die Arbeit einer achtköpfigen Sonderkommission laufe auf Hochtouren, erklärte der Landespolizeidirektor Andreas Pilsl am Freitag. "Über Details kann ich nicht reden, um die Ermittlungen nicht zu gefährden."

Zwar gebe es in der Causa keine neuen Erkenntnisse, aber viele Hinweise aus der Bevölkerung. Diesen werde nun explizit nachgegangen. Die Exekutive hatte zuvor für sachdienliche Tipps eine Belohnung von bis zu 5000 Euro ausgelobt.

Die Tipps seien allerdings "sehr vage", wie es am Sonntag auf Anfrage des STANDARD hieß. Sie würden auf keine konkreten Tatverdächtigen hinweisen. Die Überprüfung aller eingegangenen Meldungen würde jedenfalls "noch einige Zeit lang dauern", so die Auskunft der Landespolizeidirektion. Dem Vernehmen nach nehmen die Ermittler auch die rechte Szene unter die Lupe. (APA, ook, mro)

  • Die Altenfeldener kamen mit Plakaten und Transparenten. Gemeinsam sangen sie das Lied "We are the World".
    foto: rohrhofer

    Die Altenfeldener kamen mit Plakaten und Transparenten. Gemeinsam sangen sie das Lied "We are the World".

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