Anleger laufen sich für Fed- und Brexit-Entscheidung warm

5. Juni 2016, 09:41
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Einbruch am US-Arbeitsmarkt verunsichert – Anleger warten auf letzte Yellen-Äußerungen vor Fed-Sitzung

Frankfurt am Main/New York/Washington – Neue Spekulationen über den Zeitpunkt einer Zinserhöhung in den USA und das nahende "Brexit"-Referendum dürften die Anleger auch in der neuen Woche von größeren Engagements an den Aktienmärkten abhalten. Vor allem der unerwartete Einbruch am US-Arbeitsmarkt wird die Anleger wohl noch beschäftigen.

Eine Zinserhöhung im Juni ist für zahlreiche Anleger scheinbar zunächst vom Tisch und die Sorge um die US-Konjunktur wieder gewachsen. Dies sorgte zum Ausklang der Woche für Verunsicherung an den Börsen und drückte die Kurse. Der Dax schloss ein Prozent tiefer, hielt sich aber knapp über der charttechnisch wichtigen Marke von 10.100 Punkten. An der Wall Street fielen die Verluste letztlich geringer aus. Der Dow Jones gab 0,2 Prozent nach.

Analysten warnen vor Folgen

Die US-Unternehmen schufen im Mai nur 38.000 neue Jobs. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem mehr als vier Mal so hohen Wert gerechnet. "Das ist nicht nur eine große Abweichung, das ist schockierend", sagte Marktstratege Mark Grant vom Investmenthaus Hilltrup Securities. "Das wirft ernsthaft die Frage auf, ob die Fed in diesem Jahr überhaupt etwas macht." Zwar verzerrten Streiks das Bild, doch es sei nicht klar, ob sich die schwache Zahl nur dadurch erklären lasse, sagte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank.

Noch vor den US-Jobdaten sah DZ-Bank-Analyst Dirk Oppermann gute Chancen für eine Sommerrally, die den deutschen Leitindex in Richtung 11.000 Zähler treiben könnte. Er warnte allerdings vor den Folgen eines sogenannten Brexit. Sollten sich die Briten am 23. Juni für einen Ausstieg aus der EU entscheiden, sei diese Prognose Makulatur. Bislang erwarten Börsianer zwar einen Sieg der EU-Befürworter, da jedoch in den jüngsten Umfragen das "Brexit"-Lager knapp die Nase vorn hat, wächst die Unruhe.

World Affairs Council of Philadelphia am Montag

Schon wegen des nahenden "Brexit"-Referendums wuchsen zuletzt die Spekulationen darüber, ob die US-Notenbank Federal Reserve bereits bei ihrer Sitzung am 15. Juni die Zinsen anhebt oder die Entscheidung auf Juli vertagt. Die enttäuschenden Arbeitsmarktdaten schürten die Verunsicherung zusätzlich. Aus diesem Grund werden die Anleger den Auftritt der Fed-Chefin Janet Yellen bei einer Veranstaltung World Affairs Council of Philadelphia am Montag mit Argusaugen verfolgen und jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Denn am Tag darauf beginnt die "Blackout"-Periode, in der sich die Notenbanker bis zu ihrer Zinsentscheidung nicht mehr öffentlich äußern. "Niemand rechnet damit, dass die US-Wirtschaft wegen der Zahlen vor einer größeren Trendwende steht", sagte Marktstrategin Quincy Krosby vom Finanzdienstleister Prudential. "Aber wir müssen erst eine Reihe von Daten bewerten, um zu sehen, ob es sich um einen Ausrutscher handelt."

Deswegen dürfte auch am Freitag das von der Universität Michigan ermittelte Stimmungsbarometer der US-Verbraucher auf noch stärkeres Interesse stoßen als sonst. Die Konsumausgaben gelten als Hauptstütze der dortigen Wirtschaft.

Maue Zahlen zur deutschen Autoproduktion

Am Dienstag stehen zudem Zahlen zur deutschen Industrieproduktion an, von denen sich Experten positive Signale erhoffen. "Die deutsche Industrieproduktion hat im April voraussichtlich deutlich um 1,5 Prozent zugelegt und dürfte somit bei vielen die Hoffnung auf ein ebenfalls starkes zweites Quartal wecken", sagte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Allerdings sorge der frühe Termin des Osterfestes und der damit verbundenen Schulferien für Verzerrungen. Zudem signalisierten die mauen Zahlen zur deutschen Autoproduktion im Mai ein abflauendes Wachstum.

Nach dem Auslaufen der Bilanzsaison laden in der neuen Woche weitere Unternehmen ihre Eigner zu Hauptversammlungen ein. Im Rampenlicht steht dabei E.ON. Der größte deutsche Versorger will seine Aktionäre über die geplante Aufspaltung abstimmen lassen. Das Erreichen der notwendigen Zustimmungsquote von 75 Prozent gilt als wahrscheinlich. E.ON will sich künftig auf das Geschäft mit Erneuerbarer Energie, Strom- und Gasnetzen und den Vertrieb konzentrieren. Die schwächelnden Kohle- und Gaskraftwerke werden in die Tochter Uniper ausgelagert. (APA/Reuters, 5.6.2016)

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