Frühere Labour-Chefs rufen für Großbritanniens Verbleib in der EU auf

4. Juni 2016, 16:06
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Blair und andere warnen vor niedriger Wahlbeteiligung des Oppositionslagers

London – Sechs ehemalige Chefs der britischen Labour-Partei haben die Anhänger der Oppositionspartei eindringlich aufgerufen, an dem "Brexit"-Referendum am 23. Juni teilzunehmen und damit einen EU-Austritt Großbritanniens zu verhindern.

"Wenn Labour zu Hause bleibt, tritt Großbritannien aus", schrieben Tony Blair, Gordon Brown, Ed Miliband, Neil Kinnock, Margaret Beckett und Harriet Harman in einem offenen Brief, den am Samstag die Zeitung "The Guardian" veröffentlichte.

"Und ein Votum für ein Ausscheiden ist ein Votum für einen tiefgreifenden und dauerhaften Verlust, den das ganze Land zu spüren bekommen würde", hieß es in dem Schreiben weiter. "Nur Labour kann Großbritannien vor dem Brexit retten." Ein Ausscheiden aus der EU würde voraussichtlich eine Rezession auslösen und dadurch Sparmaßnahmen und die Einschränkung von Arbeitnehmerrechten, warnten die Labour-Politiker.

Labour ist nach Mitgliederzahlen die größte Partei Großbritanniens: Ihr gehören etwa 380.000 Menschen an. Ihr gegenwärtiger Vorsitzender Jeremy Corbyn hat sich in der Kampagne für einen Verbleib Großbritanniens in der EU bisher kaum engagiert.

Der dem linken Parteiflügel angehörende Parteichef, der sich in der Vergangenheit wiederholt europaskeptisch geäußert hatte, hielt nur wenige Reden zu dem Thema und weigerte sich, gemeinsam mit dem konservativen Premierminister David Cameron die Kampagne gegen den Brexit anzuführen. Das brachte Corbyn Kritik ein. Auch einige Anführer der britischen Gewerkschaften, also der wichtigsten Geldgeber von Labour, riefen Corbyn zu mehr Engagement auf.

Umfragen sagen ein denkbar knappes Rennen zwischen EU-Befürwortern und Gegnern voraus. Den Verbleib in der EU unterstützen demnach derzeit 51 Prozent der Bürger, für einen Austritt sind 49 Prozent. Es gibt aber auch noch unentschlossene Wähler.

Labour-Wähler sind den Umfragen zufolge einem Verbleib Großbritanniens in der EU stärker zugeneigt als konservative Wähler. Zugleich zeichnet sich bei den Labour-Anhängern eine deutlich schwächere Wahlbeteiligung ab als bei konservativen Wählern und Anhängern der rechtspopulistischen, EU-kritischen UKIP. (APA, AFP, 4.6.2016)

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