Die Niederländer sind keine Malteser

3. Juni 2016, 19:46
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48.000 Fans werden Österreich am Samstag im Happel-Stadion verabschieden. Vor der Abreise zur EM ist eine gelungene Generalprobe gegen die Niederlande zumindest geplant

Wien – Es ist speziell für den gewöhnlichen Niederländer äußerst bedauerlich, dass sich sein Land nicht für die Fußball-EM in Frankreich qualifiziert hat. Aber auch zumindest ein Schweizer, nämlich Österreichs Teamchef Marcel Koller, empfindet das als "sehr schade. Es ist eine Topnation." Der Schmerz wird insofern gemildert, als das niederländische Nationalteam am Samstag im ausverkauften Happel-Stadion (20.30, ORF eins + Livebericht auf derStandard.at) das österreichische testet. Genau zehn Tage vor der ersten EM-Partie, sie steigt am 14. Juni in Bordeaux gegen Ungarn.

Generalproben sollen eigentlich missglücken, um dann eine gelungene Premiere abliefern zu können. Der Fußball ist zwar auch ein Theater, Koller lehnt den ersten Teil dieser These aber strikt ab. "Wir wollen in die Gänge kommen. Es geht darum, Selbstverständnis und Präzision zu finden." Eine Steigerung im Vergleich zum mühsamen 2:1 gegen Malta sei fix eingeplant. "Sie werden uns voll fordern. Wir müssen versuchen, ihnen unser Spiel aufzudrängen. Ich will die Bereitschaft dagegenzuhalten, erkennen. Das muss jeder für sich entscheiden."

Die Wichtigkeit, die Ängstlichkeit

Altbewährtes soll ausgepackt werden: Pressing, hohe Laufbereitschaft, Passsicherheit. Kapitän Christian Fuchs stellte zwar klar, "dass wirklich wichtig Ungarn ist", dennoch werde man versuchen, an die Grenzen zu gehen. "Das Ergebnis soll nicht überbewertet werden. Die Art des Auftritts ist entscheidend. Die Niederlande wird uns alles abverlangen." Tormann Robert Almer geht davon aus, "dass wir in der Defensive beschäftigt werden".

Koller kann aus dem Vollen schöpfen, alle sind fit. Es ist anzunehmen, dass die Stammformation beginnt. Fuchs wurde gegen Malta geschont, David Alaba erst nach einer Stunde eingewechselt. Der Superstar erzielte trotzdem ein spektakuläres Eigentor, was ihn irgendwie menschlich machte. Der Teamchef möchte die Konzentrationsfehler generell "minimieren". Gegen Malta hat Koller das Austauschkontingent genutzt, gegen die Niederlande wird er "nicht wild wechseln". Vor Malta sind die Spieler in der Schweiz "auf Bäumen gekraxelt", nun wurde in der Vorbereitung praktisch ausschließlich Fußball trainiert. Fuchs: "Das sollte sich bemerkbar machen." Angst, sich im letzten Moment zu verletzen, habe keiner. "Die Gefahr, dass etwas passiert, ist viel größer, wenn man nicht Vollgas gibt."

Topstars fehlen

Der niederländische Teamchef Danny Blind verzichtet auf Topstars wie Arjen Robben, Wesley Sneijder, Robin van Persie oder Klaas-Jan Huntelaar, der Rest ist aber auch nicht übel, die Mannschaft ist jung, dynamisch, die individuelle Klasse fällt auf. Am vergangenen Mittwoch wurde Polen in Danzig 2:1 geschlagen, im März wurde mit demselben Resultat in England gewonnen. Die Niederlande sind 14. in der Weltrangliste, liegen vier Plätze hinter Österreich. Koller: "Idealer Härtetest."

Nach Abpfiff bekommen die Spieler bis einschließlich Montag frei, am Dienstag erfolgt die offizielle Verabschiedung durch Bundeskanzler Christian Kern. Am Nachmittag wird in der Austria-Akademie trainiert. Der Abflug ins EM-Quartier nach Mallemort ist für Mittwochmittag angesetzt. Fuchs: "Wir können es kaum noch erwarten. Steigen wir in den Flieger, beginnt die Zeit des Kribbelns." Der Rasen auf dem Trainingsgelände macht übrigens Fortschritte, der von der Uefa engagierte Greenkeeper dürfte kein Wappler sein. (Christian Hackl, 3.6.2016)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen:

Österreich – Niederlande (Ernst-Happel-Stadion, 20.30 Uhr/live ORF eins, SR Alberto Undiano Mallenco/ESP)

Österreich: Almer (Austria Wien/27 Länderspiele) – Klein (VfB Stuttgart/36/0 Tore), Dragovic (Dynamo Kiew/46/1), Hinteregger (Borussia Mönchengladbach/13/0), Fuchs (Leicester City/74/1) – Baumgartlinger (FSV Mainz/44/1), Alaba (Bayern München/45/11) – Harnik (VfB Stuttgart/57/14), Junuzovic (Werder Bremen/47/7), Arnautovic (Stoke City/51/11) – Janko (FC Basel/53/26)

Ersatz: Özcan (FC Ingolstadt/7), Lindner (Eintracht Frankfurt/8) – Garics (SV Darmstadt/41/2), Prödl (Watford/56/4), Wimmer (Tottenham Hotspur/3/0), Suttner (FC Ingolstadt/16/0), Ilsanker (RB Leipzig/15/0), Schöpf (Schalke 04/3/1), Jantscher (FC Luzern/21/1), Sabitzer (RB Leipzig/17/3), Hinterseer (FC Ingolstadt/9/0), Okotie (1860 München/17/2)

Niederlande: Cillessen (Ajax Amsterdam) – Tete (Ajax Amsterdam), Van Dijk (Southampton), Bruma (PSV Eindhoven), Willems (PSV Eindhoven) – Strootman (AS Roma), Bazoer (Ajax Amsterdam), Wijnaldum (Newcastle) – Berghuis (Watford), Janssen (Alkmaar), Depay (Manchester United)

Ersatz: Vermeer (Feyenoord), Zoet (PSV Eindhoven) – Veltman (Ajax Amsterdam), Vlaar (Alkmaar), Van Aanholt (Sunderland), Van Ginkel (PSV Eindhoven), Dost (Wolfsburg), Narsingh (PSV Eindhoven), De Jong (PSV Eindhoven), Promes (Spartak Moskau)

Es fehlen: Robben, Sneijder, Blind, Ramseelar, Locadia (alle verletzt), Van Persie, Huntelaar (beide nicht nominiert)

  • Kapitän Christian Fuchs (links) und György Garics wärmen sich für das Match gegen die Niederlande auf. Fuchs gehört logischerweise zur Stammelf, Garics hat als rechter Verteidiger Florian Klein vor sich.
    foto: apa/herbert neubauer

    Kapitän Christian Fuchs (links) und György Garics wärmen sich für das Match gegen die Niederlande auf. Fuchs gehört logischerweise zur Stammelf, Garics hat als rechter Verteidiger Florian Klein vor sich.

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