Die Kunsterziehung

Einserkastl3. Juni 2016, 18:23
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Hofer sollte sich die Mumok Ausstellung anschauen, vielleicht hat er ein Erweckungserlebnis

Ein Fundraising-Dinner für Kultur geht so: Wohlhabende Leute kaufen einen Sitzplatz oder einen ganzen Tisch, laden Freunde ein, genießen etwas Kultur, und das Einspielergebnis geht an ein Kulturprojekt, z. B. ein Museum. Wie an das Museum moderner Kunst (Mumok) im Wiener Museumsquartier. Dortselbst wollte jetzt ein Tischgastgeber (Tisch zu 4000 Euro) zum Dinner für die Ausstellung Wir Wegbereiter. Pioniere der Nachkriegsmoderne Norbert Hofer mitbringen. Das geht nicht, befand die Museumsdirektorin. Es folgte ein kleiner Skandal.

Norbert Hofer sollte sich die Ausstellung trotzdem anschauen. Sie zeigt lange verborgene Schätze aus dem Depot. Zwei große Kunstvermittler, nämlich Werner Hofmann und Viktor Matejka, konfrontierten damit seinerzeit das provinzielle Nachkriegswien mit der klassischen Moderne. Zu sehen sind u. a. Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Giacomo Balla, László Moholy-Nagy, Piet Mondrian, Max Ernst, René Magritte, aber auch Herbert Boeckl, Albert Paris Güters-loh, Fritz Wotruba, die Phantastischen Realisten, der frühe Arnulf Rainer und Maria Lassnig, die Wiener Aktionisten.

Vielleicht hat Norbert Hofer ein Erweckungserlebnis und gewöhnt sich dann doch seinen Lieblingsmaler "Odin" Wiesinger ab. Der malt gern teutsche Helden und meint, die moderne Kunst sei "die Diktatur des Hässlichen, Minderwertigen, Würde- und Maßlosen". (Hans Rauscher, 3.6.2016)

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