Dicke Luft und ein Datenleck bei Post-Tochter

3. Juni 2016, 18:04
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Arbeitszeitvorgaben, mögliche Betriebsräte, Kündigungen: In der Post E-Commerce (Shöpping) hängt der Haussegen schief

Wien – Die eher unfreundliche Verabschiedung von drei Mitarbeitern durch den Arbeitgeber sorgt in der Post AG für Unruhe. Konkret geht es um ihre junge Tochter Post E-Commerce GmbH, über deren Plattform Shöpping die Kunden künftig online einkaufen sollen. Wie bei Amazon eben, nur kleiner, quasi Amazön. Rund 20 Mitarbeiter beschäftigt die Gesellschaft, bzw. hat sie beschäftigt, denn vorige Woche wurde einer fristlos entlassen, zwei weitere wurden gekündigt und postwendend dienstfrei gestellt.

Wie der Kurier am Donnerstag berichtet hat, waren just diese drei gerade dabei, einen Betriebsrat zu gründen. Zuvor war im Unternehmen ein Datenvorfall bekannt geworden: War man einmal im WLAN-Netz der Gesellschaft, konnte man in Krankenstandsdaten der Beschäftigten Einsicht nehmen, Krankenstandstage samt vom Arzt ausgestellter Krankmeldung sehen, wie es heißt.

Arbeitszeiterfassung

Zudem soll es auch bei der Arbeitszeiterfassung zu gewissen Vorfällen gekommen sein. Im Oktober 2015 wurden die Mitarbeiter aufgefordert, ihre Zeiterfassung selbst zu verwalten, "Kommen und Gehen" selbst im System einzugeben. Anlässlich eines Team-Events, das von 8.30 bzw. 9 bis 20 Uhr angesetzt war, wurden die Teilnehmer quasi zur Arbeitszeitverkürzung aufgefordert: Da täglich nicht mehr als zehn Stunden gearbeitet werden dürfe, sollten sie beim "Gehen" 18.30 Uhr bzw. 19 Uhr "eintragen", hieß es in einem Schreiben.

Vorfälle wie diese sollen die Mannschaft auf die Idee einer Betriebsratsgründung gebracht haben; kommenden Montag hätte die Wahl stattfinden sollen.

Konzernrevision prüft

Hätte, denn vorige Woche, nach Einberufung einer Betriebsversammlung, wurde eben einer der Organisatoren entlassen, zwei diese Woche gekündigt; die Kündigungsschreiben waren auch von Post-Personalchef Franz Nigl in seiner Eigenschaft als E-Commerce-Prokurist unterschrieben.

Beim mutmaßlichen Datenleck (in der ÖBB, in der Nigl früher tätig war, hatte es einmal ein wirkliches gegeben) wird laut einem Post-Pressesprecher bereits von der Konzernrevision geprüft, "ob es Verfehlungen gab und Maßnahmen braucht".

Alles andere ist Zufall.

Entlassung und Kündigung "stehen in keinem Zusammenhang" mit Betriebsratsplänen, so der Post-Sprecher, auf den auch die E-Commerce-Geschäftsführung verweist. Die Entlassung sei "einem Vorfall" und die Kündigung eines Praktikanten und einer Assistentin "einer Umstrukturierung" geschuldet. In der E-Commerce heißt es, die Mitarbeiterin sei keine Assistentin gewesen und erst vor einer Woche intern in die Abteilung Händlerbetreuung übersiedelt. Der Job sei neu besetzt worden.

Die Postgewerkschaft sagt nichts, außer dass sie für die Shöpping-Tochter nicht zuständig sei. Alteingesessene Postler erklären, die Gründung von Betriebsräten sei bei Post-Töchtern üblicherweise "kein Problem". (Renate Graber, 4.6.2016)

  • Blitzschnell ging es für Mitarbeiter der Post E-Commerce GmbH: einer entlassen, zwei gekündigt und dienstfrei gestellt. Mit dem Plan einer Betriebsratsgründung hat das laut Post aber nichts zu tun.
    foto: ross d. franklin

    Blitzschnell ging es für Mitarbeiter der Post E-Commerce GmbH: einer entlassen, zwei gekündigt und dienstfrei gestellt. Mit dem Plan einer Betriebsratsgründung hat das laut Post aber nichts zu tun.

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