Georg Niedermühlbichler: Ein tirolerischer Wiener in der roten Zentrale

Kopf des Tages4. Juni 2016, 08:00
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Bisheriger Wiener Landesparteisekretär folgt Gerhard Schmid als SPÖ-Parteimanager nach

Kurz nach seiner Bestellung zum Landesparteisekretär der Wiener SPÖ vor zwei Jahren war Georg Niedermühlbichlers Büro in der Löwelstraße sporadisch eingerichtet. Doch an der Wand lehnte bereits ein Porträt von Bruno Kreisky. Er habe ihn "zum Sozialdemokraten gemacht", erklärte der Politiker. 1966 in eine schwarze Tiroler Familie geboren – der Vater war Sägearbeiter, die Mutter Hausfrau -, scheint es zunächst ungewöhnlich, dass Niedermühlbichler heute Parteimanager der SPÖ ist. Er beerbt in dieser Funktion vorerst interimistisch den scheidenden Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid. Doch bereits mit 17 Jahren zog Niedermühlbichler, der in Söll als eines von sechs Kindern aufgewachsen war, nach Wien. Sein Onkel habe ihn gefragt, ob er "deppert" sei.

Karriereziel Bezirksvorsteher

Noch in Tirol hat er eine Ausbildung zum Elektroinstallateur und von 1981 bis 1983 eine Lehre als Einzelhandelskaufmann absolviert. In Wien arbeitete er bis 1998 bei Wienstrom. Auch seine politische Heimat hat er in der Bundeshauptstadt schnell gefunden. 1984 war er Vorsitzender der Sozialistischen Jugend in der Inneren Stadt. Das ist übrigens jener Bezirk, in dem Niedermühlbichler, der verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat, heute noch lebt. Sein großes Ziel – und einziges politisches Amt, das er jemals angestrebt habe – war es, Bezirksvorsteher der City zu werden. Doch daran scheiterte der langjährige Bezirksgeschäftsführer 2005, als ihm die ÖVP mit Ursula Stenzel den Rang ablief. Nächste Station war die Mietervereinigung, deren Präsident er seit 2008 ist.

Das Thema Wohnbau hinterließ auch seine Spuren im vergangenen Wien-Wahlkampf. Wenige Monate vor der Wahl zauberte Niedermühlbichler das Comeback des Gemeindebaus aus dem Hut.

Dass ihm Populismus vorgeworfen wurde, weil es sich im ersten Schritt um die Errichtung von lediglich 120 Wohnungen gehandelt hatte, steckte der immer freundliche und professionelle, jedoch nicht so schillernde Reden schwingende Politiker weg.

Fußballfan

Wie Bürgermeister Michael Häupl und Bundeskanzler Christian Kern ist der Fußballfan Anhänger der Wiener Austria. Sein erster Auftrag als Bundesgeschäftsführer ist die Vorbereitung des Parteitags, auf dem Kern zum Parteivorsitzenden gekürt werden soll. Die Organisation des zeitgleich stattfindenden Donauinselfests, ein jährlicher Höhepunkt der Wiener SPÖ, wird da dann schnell zur Nebensache. (Rosa Winkler-Hermaden, 4.6.2016)

  • Kreisky im Rücken: Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler.
    foto: standard/hendrich

    Kreisky im Rücken: Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler.

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