Die braune Vergangenheit der Bauernstiftung

4. Juni 2016, 15:00
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Nach der Enteignung der Besitzer des Schlosses Fuschl 1939 gründete der Außenminister des Naziregimes die "Stiftung Haus Fuschl"

Salzburg – Woher stammt das Vermögen der "Stiftung Haus Fuschl", die heute die Aus- und Fortbildung der bäuerlichen Bevölkerung in Salzburg fördert? Dieser Frage ging der Salzburger Historiker Hubert Stock in seiner Dissertation im Auftrag des Landes Salzburg nach. Anlass für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Stiftung war ein Rechnungshofbericht und ein Artikel des STANDARD im Jahr 2011, der Fragen nach der unklaren Vermögensherkunft stellte.

Die Stiftung ist im Dezember 1939 vom Außenminister des Naziregimes, Joachim von Ribbentrop, gegründet worden. Die Grundlage der Stiftung, die zu Repräsentations- und Erholungszwecken eingerichtet wurde, war das Schloss Fuschl am Fuschlsee in Hof bei Salzburg. Die vorherigen Besitzer des Schlosses, Gustav und Hedwig Remiz, wurden von den Nazis enteignet. Gustav Remiz war als Monarchist erklärter Gegner des Naziregimes. Er wurde im Juni 1938 von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er im August starb.

Ribbentrop nutzte das Schloss Fuschl als Sommerresidenz. Um eine Sicherheitszone rund um das Jagdschloss zu errichten, erwarb die Stiftung zahlreiche Grundstücke und Bauernhöfe der Umgebung. Das Geld dafür stammte aus einem Sonderfonds des Reichsaußenministeriums in Berlin. Einige Grundstücke wurden entzogen, einige durch Anwendung von Druck – etwa Vorladungen bei der Gestapo – erworben und andere wiederum gekauft, erklärt Stock.

Schloss wurde restituiert

Nach 1945 begann die langwierige Restitution des Schloss Fuschl an Hedwig Remiz, die sich bis in die 1960er-Jahre hinein zog. Auch die Höfe und Wiesen rund um das Schloss wurden an die ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben. Besitzer, denen der Hof oder das Grundstück in der NS-Zeit abgekauft wurde, mussten den Kaufpreis an die Stiftung rückerstatten, sofern sie das Land zurückwollten. Das mache im Wesentlichen das heutige Stiftungsvermögen aus, fasste Stock seine Ergebnisse zusammen. Die Finanzierung der Stiftung erfolgte also ausschließlich durch das Auswärtige Amt in Berlin.

Die Stiftung ging an die Republik Österreich, die Verwaltung obliegt bis heute der Salzburger Landesregierung. Eine Rückforderung seitens Deutschlands sei mit dem Staatsvertrag von 1955 aber ausgeschlossen worden, sagt der Historiker. Die Studie zeige, dass die Stiftung heute kein Vermögen mehr besitzt, das während der NS-Zeit durch Enteignungen oder Zwang unrechtmäßig in deren Besitz gelangt war.

12.000 Euro jährlich für Bildung von Bauern

Die Stiftung verfügt heute über ein in Wertpapieren angelegtes Vermögen von 840.000 Euro und zwei Hektar Wald- und Wiesenflächen. Von Erträgen durch Zinsen werden derzeit rund 12.000 Euro jährlich für die Aus- und Weiterbildung von Bauern ausgeschüttet. Der ehemalige Geschäftsführer der Stiftung und nunmehrige Agrarlandesrat, Josef Schwaiger (ÖVP), der die Studie in Auftrag gegeben hatte, ist sichtlich erleichtert. "Ich bin froh, dass wir nichts verwalten, das durch eine Schergenherrschaft zu uns gekommen ist."

Schloss Fuschl ist heute im Besitz der bayrischen Schörghuber-Gruppe und wird als Fünf-Sterne-Hotel geführt. (Stefanie Ruep, 4.6.2016)

  • Schloss Fuschl wurde der Monarchistenfamilie Remiz von den Nazis geraubt und ist die Grundlage der "Stiftung Haus Fuschl".
    foto: franz neumayr

    Schloss Fuschl wurde der Monarchistenfamilie Remiz von den Nazis geraubt und ist die Grundlage der "Stiftung Haus Fuschl".

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