Düsseldorf: Terrorzelle wollte mit zehn Attentätern zuschlagen

3. Juni 2016, 15:56
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Rätsel um Geständnis von mutmaßlichem IS-Terroristen

Hambrücken – Bei dem geplanten Anschlag in Düsseldorf sollten einem Medienbericht zufolge offenbar zehn Attentäter zuschlagen. Einer der bisher vier Verdächtigen habe ausgesagt, dass weitere Kämpfer kommen sollten, berichtete das Hamburger Magazin "Der Spiegel" am Freitag im Voraus.

Untersuchungshaft

Die drei festgenommenen mutmaßlichen Mitglieder der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.

Ein vierter Verdächtiger ist in Frankreich inhaftiert und soll die Behörden über die Pläne informiert haben. Über die weiteren Attentäter, die sich noch auf den Weg machen sollten, habe auch der in Frankreich inhaftierte Saleh A. gesprochen, berichtete "Der Spiegel". Die Bundesanwaltschaft wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Als Flüchtlinge über Balkanroute eingewandert

Der 28-jährige Saleh A. soll nach Angaben aus französischen Justizkreisen über die von Flüchtlingen genutzte Balkanroute nach Europa gekommen sein und sich am 1. Februar freiwillig auf einem Pariser Kommissariat gemeldet und umfassend über die Pläne für einen Anschlag in Düsseldorf berichtet haben. Er habe ausgesagt, dass er "Informationen über eine Schläferzelle" habe, die bereit sei, "in Deutschland zuzuschlagen". Deutschland beantragte seine Auslieferung.

"Müde"

Saleh A. soll sich aus Erschöpfung der französischen Polizei gestellt haben. Er sei "müde", soll der Mann seinen Schritt gegenüber Ermittlern begründet haben, wie die französische Tageszeitung "Le Monde" am Freitag unter Berufung auf Ermittler berichtet. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb dagegen, den Syrer habe die Reue gepackt. Er wolle nicht, dass seine Tochter einen Terroristen zum Vater habe.

Laut "Le Monde" stellte sich der Syrer am 1. Februar in einem Polizeikommissariat im Norden von Paris. Am 6. Februar sei ein Verfahren wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung eröffnet worden. Der Mann sei inhaftiert worden, weil "wir nicht wussten, was mit ihm zu tun sei, also haben wir ihn ins Gefängnis gesteckt – um seine Sicherheit zu gewährleisten", zitiert "Le Monde" einen Ermittler. A. soll mit Blick auf das Verfahren versucht haben, seine Beteiligung an den angeblichen Anschlagsplänen zu relativieren.

Festnahme in Flüchtlingsunterkunft

In Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg waren am Donnerstag drei mutmaßliche IS-Mitglieder festgenommen worden, die den Anschlag in Düsseldorf geplant haben sollen. Einer wurde nach Angaben des Landkreises Märkisch-Oderland in einer Flüchtlingsunterkunft im brandenburgischen Bliesdorf festgenommen. Ein weiterer Verdächtiger sei in einer Unterkunft in Leimen in Baden-Württemberg gefasst worden, hieß es in Sicherheitskreisen. Der dritte Beschuldigte wurde in Mülheim an der Ruhr festgenommen.

Selbstmordanschläge in Düsseldorf geplant

Die drei Festgenommen befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft. Nachdem dies im Fall der beiden in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gefassten Verdächtigen bereits am Donnerstag ein Ermittlungsrichter entschieden hatte, wurde am Freitag auch der in Brandenburg festgenommenen Verdächtige in Untersuchungshaft genommen, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft auf Anfrage sagte.

Die Anschlagspläne sahen der Bundesanwaltschaft zufolge vor, dass sich zwei Selbstmordattentäter auf der Heinrich-Heine-Allee im Düsseldorfer Stadtzentrum mit Sprengstoffwesten in die Luft sprengen sollten. Weitere Attentäter sollten demnach im Anschluss mit Gewehren und Sprengsätzen möglichst viele Passanten töten. Die verdächtigen Syrer sollen aber noch nicht konkret mit der Umsetzung ihres Plans begonnen haben.

Bewertung "zu früh"

Das Innenministerium wollte sich noch nicht konkret zu dem womöglich vereitelten Anschlag äußern. Für eine grundsätzliche Bewertung sei es "sicher noch zu früh", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Es sei abzuwarten, was die Bundesanwaltschaft in ihren Ermittlungen noch zutage fördere.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte mit Blick auf die Düsseldorfer Altstadt als mutmaßliches Ziel der Terrorverdächtigen, alle müssten "gemeinsam sehen, dass Deutschland Ziel von Islamisten ist". Es sei aber "wichtig, dass wir jetzt nicht sämtliche Flüchtlinge unter Generalverdacht stellen", mahnte Kraft vor Journalisten in Düsseldorf. (APA, 3.6.2016)

  • Die Terroristen wollten auf der Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorf Menschen ermorden.
    foto: apa/dpa/hitij

    Die Terroristen wollten auf der Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorf Menschen ermorden.

  • Artikelbild
    foto: apa/dpa/deck
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