"Outcast": Da ist der Teufel los

5. Juni 2016, 17:00
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Das Mainstreamfernsehen entdeckt den Exorzismus neu. Mit dem Kruzifix geht es den Dämonen an den Kragen. Ab Montag auf Fox bei Sky

Wien – Unter normalen Umständen wären die Eltern eines Kindes, das apathisch in seinem Zimmer liegt, sich nicht wäscht, nur an die Decke starrt und unverständliche Dinge von sich gibt, nicht weiter irritiert: Klarer Fall von pubertas praecox! Hier liegt die Sache aber anders: Denn der Bub verspeist plötzlich Kakerlaken am lebendigen Leib, fügt sich in selbstzerstörerischen Anfällen unschöne Verletzungen zu. Nicht mal Computerspielen mag er! Spätestens jetzt ist Feuer am Dach, hier hilft kein Arzt. Der Pfarrer muss her.

cinemax

Kruzifixe werden wieder reichlich geschwenkt in der Exorzistenserie Outcast, ab 6. Juni im Abokanal Fox bei Sky. Die Teufelsaustreiber Kyle (Patrick Fugit, selbst schwer angeschlagen) und der Pfarrer Anderson (Philip Glenister) machen sich auf den Weg, um der Dämonen Herr zu werden und das auf Garstigkeiten vorbereitete Publikum zu erfreuen, und weil hinter der Serie Robert Kirkman steht, der als Erfinder der Zombieserie The Walking Dead eine Art gottgleiche Verehrung genießt, ist seit dem Serienstart in der Szene – nun ja – eben der Teufel los.

Der Teufel hat den Schnaps gebracht

Nach Vampiren und Zombies ist das Serienfernsehen also beim Teufel angelangt. Outcast ist nicht alleine: Mehr als 40 Jahre, nachdem Linda Blair in Der Exorzist zum kleinen Monster mutierte, produziert Fox zwölf Folgen für Ende des Jahres. Netflix stellt Stranger Things vor.Das tödliche Kind Damien spielt seit März Das Omen, den Spielfilm aus dem Jahr 1973. Die Serie war ein Flop, das Ende hat A&E schon bekannt gegeben. Dazu droht in der neuen Fernsehsaison eine Häufung an horriblen Stoffen, wie bei der diesjährigen Fernsehmesse L.A. Screenings zu sehen war.

foto: fox
Patrick Fugit bekämpft Dämonen in sich und rundherum.

Und weil die Serienwelt nicht genug ist, braucht es einen Haufen Zusatzangebote. Als heißestes Zubrot gilt dieser Tage Virtual Reality – auch Outcast hat ein 360°-Video im Angebot. Kann also nichts mehr schiefgehen.

Schocker ist ein Muss

Wie lässt sich die neue Lust der Mainstreamsender am Grausigen deuten? Zunächst einmal ist die Massentauglichkeit von blutigen Serienstoffen nichts Neues und hat speziell im neueren Fernsehen Tradition. Dexter, Hannibal, Bates Motel, The Strain, American Horror Story oder eben The Walking Dead – der Schocker ist ein Muss im Angebot des US-amerikanischen Produzentenportefeuilles.

foto: sky
Robert Kirkman erfand den Comic zu "Outcast".

Verschoben hat sich ein Detail: Die Dämonen kommen hier aus dem Inneren. Wir lernen: Das Böse ist nicht um uns, sondern in uns und trägt die Namen Oberflächlichkeit, Gleichgültigkeit, Lieblosigkeit. Vorerst gibt es auch kaum Erleichterung. Gut braucht Böse, um zu existieren – und umgekehrt. Und überhaupt: Der Teufel schläft nicht. (Doris Priesching, 5.6.2016)

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