Intelligentes Hochbeet für Stadtgärtner mit Zeitmangel

6. Juni 2016, 08:57
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Der Verein "Karls Garten " betreibt am Wiener Karlsplatz zwei Versuchsobjekte

Gärtnern in der Stadt wird immer beliebter – und wirft die Frage auf, wie Blumen, Obst- und Gemüsepflanzen auch unter Zeitmangel und möglichst kostengünstig gepflegt werden können: Der Verein "Karls Garten " sucht mit zwei Versuchsobjekten nach Antworten.

Wien – Wer in den Urlaub fährt, kann heute mit Familie, Freunden oder dem Arbeitergeber in Kontakt bleiben; künftig könnten sich auch die Kräuter vom Balkon oder die Tomatenstauden aus dem Garten mit Neuigkeiten melden – vorausgesetzt, sie sprießen in einem selbsttätig funktionierenden Hochbeet und der Urlauber hat Zugang zum Internet.

Er bekommt dann etwa Informationen zu der den Kürbis umgebenden Lufttemperatur, erfährt, wann der Karfiol erntereif ist, und wird alarmiert, wenn die Erdbeeren auszutrocknen drohen.

Um dieser Gefahr vorzubeugen, wollen die zwei Start-up-Unternehmer Manfred Czujan und Robert Veselka ihre smarten Hochbeete mit einem Wassertank versehen. Der Prototyp, der derzeit im "Karls Garten" bei der Wiener Kunsthalle getestet wird, ist mit einem 150-Liter-Tank ausgestattet. Dieser kann zwar auch manuell befüllt werden, dient aber in erster Linie als Behälter für überschüssiges Regenwasser. "Ein Problem gibt es nur, wenn es einmal zwei Wochen nicht regnet", sagen Czujan und Veselka. Dann müsste man jemanden bitten, den Tank nachzufüllen: "Es wäre schön, wenn sich rund um die Beete eine Community bildet."

Ist genug Nass vorhanden, gießt sich das Beet selbst: Die Erde wird über eine Pumpe und Perlschläuche befeuchtet. Der Wasserbedarf wird mithilfe von Sensoren gemessen, die auch Werte wie Temperatur, CO2-Gehalt und Sonneneinstrahlung erfassen. Die Daten können vom Beet-Besitzer auf meinbeet.at abgerufen werden.

Energieautark mit Solarzellen

Künftig sollen dort auch Tipps zu geeigneten Pflanzen für den jeweiligen Standort zu finden sein: Wer also etwa Zucchini einsetzen will, dem könnte das Hochbeet davon abraten, weil die Stelle zu schattig ist. Betrieben werden Pumpe und Elektronik mit Solarzellen: Die smarten Hochbeete arbeiten energieautark.

Zu sehen ist das auf den ersten Blick nicht. Wie übliche Hochbeete zimmern Czujan und Veselka auch die Selbsttätigen aus Holz – der Prototyp ist etwa ein mal zwei Meter groß. Die Technik versteckt sich hinter der Holzkonstruktion sowie unter der Erde. Sie solle optisch nicht im Vordergrund stehen, sagen die zwei Unternehmer. Einzig das kleine Solarpanel ist nicht im Inneren versteckt.

Es sei ihnen wichtig, dass ihre Beete "möglichst ressourcenschonend" produziert werden und auch einen gemeinschaftlichen sowie sozialen Gedanken transportieren: "Wir wollen so bauen, dass viele etwas davon haben" – etwa auch Langzeitarbeitslose oder Flüchtlinge. Sie seien bereits in Gesprächen mit NGOs zu möglichen Kooperationen.

Die Kosten für ein smartes Hochbeet beziffern die beiden mit 850 Euro, inklusive des Aufbaus. Zielgruppe seien Unternehmen, die "eine schöne Arbeitsatmosphäre für ihre Mitarbeiter" schaffen wollen, sowie Stadtgärtner, ob im privaten oder im Gemeinschaftsgarten. Auch kleinere Varianten, die auf Dachgärten, Terrassen oder dem Balkon Platz finden, wollen Czujan und Veselka anbieten. Das Interesse am Gärtnern mit geringem Zeitaufwand sei gegeben, sagen die zwei.

Simone Rongitsch, Projektleiterin beim Verein "Karls Garten", stimmt zu. Gärtnern in der Stadt werde immer beliebter, und "je mehr gepflanzt wird, desto öfter kommt die Frage auf, wer das pflegen soll".

Der gemeinnützige Verein zur Förderung urbaner Landwirtschaft, der auf dem Areal neben der Kunsthalle "Verweilen, Schauen und Lernen" mit Forschung verbindet, widmet sich dieser Frage in der heurigen Gartensaison mit einem weiteren Versuchsobjekt: Erstmals wurde ein frei stehender vertikaler Garten errichtet.

Grünwände für die Stadt

Die mit Blumen und Kräuter bewachsenen Wände der Firma Vertical Magic Garden brauchen einen Wasseranschluss, funktionieren aber sonst ebenfalls selbsttätig. Derzeit gehören zu den Kunden oftmals Unternehmer.

Geht es nach Rongitsch vom "Karls Garten", könnten Grünwände künftig auch das Stadtbild verschönern und das urbane Mikroklima verbessern. Wie genau das zu bewerkstelligen wäre und ob die selbsttätigen Gärten kostengünstiger in der Pflege sind als gewöhnliche, von der Stadt betreute Gartenflächen, müsste aber erst untersucht werden. Forschungsprojekte seien angedacht. (Christa Minkin, 6.6.2016)

  • Die smarten unterscheiden sich äußerlich kaum von den gewöhnlichen Beeten.
    foto: karls garten

    Die smarten unterscheiden sich äußerlich kaum von den gewöhnlichen Beeten.

  • Die smarten Gemüsebeete haben jedoch unter anderem Solarpanels.
    foto: meinbeet.at

    Die smarten Gemüsebeete haben jedoch unter anderem Solarpanels.

  • Auch die Grünwand bewässert sich selbst.
    foto: fotos: vertical magic garden

    Auch die Grünwand bewässert sich selbst.

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