Radfahrer mit Todesverachtung

4. Juni 2016, 09:00
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Trottelschüsseln, Texten während des Radfahrens und Slim-fit-Bärte über permanenten Tattoos. Es ist eine gute Welt

Das Schöne am Radfahren ist ja nicht der gesundheitliche Belang. Auch die Tatsache, dass man in der Stadt ungefähr doppelt so schnell unterwegs ist wie mit einem Golf, gilt nicht. Das Auto ist aus. Zur Charakterbeschreibung reicht es aber allemal. Trottelschüsseln fahren ausnahmslos ehemalige Schulkollegen, die jetzt nach 30 Jahren guten Schweigens über Facebook um Freundschaft ansuchen. Hat schon damals nicht funktioniert.

Heute sind Frankie, Charly und Hupo Filialleiter im mittleren Management für agrarökonomische Genossenschaftsausbeutung, Bad Banks für den unteren Mittelstand – oder auch Streetworker in pharmazeutischen Brennpunkten, zum Beispiel in "Gymnasium". Am Sonntag ist die Apotheke leider geschlossen. Wenden Sie sich bitte an einen unserer Freelancer auf der U-Bahn-Linie ihres Vertrauens.

Die Welt geht seit ihrer Einweihung durch einen niederösterreichischen Landeshauptmann im Spätmesozoikum um das Jahr 1250 unter (die Erfindung St. Pöltens als kreuzritterlicher Verkehrsknotenpunkt ins Nichts!). Das können auch nicht die Slim-fit-Vollbärte ändern, die einem zwischen ihren Händen in öffentlichen Verkehrsmitteln vegane Teppichknüpfspiele über irgendwelche Power-Applikationen entgegenballern.

Als neuester Trend ist unter Menschen mit Style, Bart und Lebenslänglich-Tattoos über Hochwasserhosen übrigens der Todeswunsch zu beobachten, sich während des Radfahrens über Messages auf dem Taschentelefon auszutauschen. Diese Woche auf dem Fahradweg dreimal fast getötet worden. Meat is murder. (Christian Schachinger, 4.6.2016)

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    foto: apa / patrick pleul
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