Alfredo Barsuglia: Bühne, Werkstatt, Spielplatz

3. Juni 2016, 14:41
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Der österreichische Künstler transformiert Räume und deren Funktionen: "Brihdy" in der Galerie unttld contemporary in Wien

Wohl so mancher wähnte sich am Eröffnungsabend im falschen Film: Statt in eine Ausstellung von Alfredo Barsuglia (geb. 1980 in Graz) zu kommen, platzte man in der Galerie unttld contemporary mitten in eine durchkonzipierte Aufführung.

In Barsuglias sehr präzise auf die zwei Raumebenen der Galerie abgestimmter Inszenierung waren neben ihm selbst auch zwei Gesangsschüler und ein Opernsänger involviert. Wichtiger Teil seines szenischen "Bildaufbaus" waren zudem Objekte, Skulpturen und Bilder, die die Darsteller zu Requisiten umfunktionierten – aber auch umgekehrt, Darsteller zu Requisiten degradierten: Der Sänger hielt etwa auf der oberen Etage ein Tablet mit Monitor, auf dem ein Video (Tanzstück für Finger und Holz) lief.

foto: unttld contempary
So bildet sich für Alfredo Barsuglia Natur auf der Leinwand ab: Man lässt Kinder mit Beeren schaukeln.

Der Künstler selbst ließ währenddessen von einem unten installierten Arbeitsplatz Ballons aufsteigen, genauer gesagt mit Helium gefüllte Plastiksackerln, die Zeichnungen enthielten. Oben fischten die beiden Schüler – wie in einer Art Kunstproduktionswerkstätte – die Ballons wieder von der Decke, überreichten sie dem Sänger, der die darin transportierten Werke frohlockend empfing und den Besuchern schenkte. "Brihdy!" lautete sein Freudenschrei.

Brihdy – ein Anagramm von "hybrid" – ist auch der Titel von Alfredo Barsuglias Präsentation, in der es ihm neben Fragen zur Benutzbarkeit von Kunstobjekten einmal mehr um die Transformation des Ortes und der mit diesem – eine Galerie – verbundenen Vorstellungen ging. Das ist ihm mit einem Swimmingpool in der kalifornischen Wüste bereits einmal gelungen. Und 2015 konterkarierte er etwa die repräsentativen Räume des Mak mit einem eigenen, ganz persönlichen Cabinet.

Subtil unterlaufen

Unübersehbar waren die beabsichtigten Transformationen in der Galerie freilich insbesondere am Eröffnungsabend. Nicht nur weil Barsuglia den Ort in eine Mischung aus Bühne, Werkstatt und Spielplatz verwandelte. Ungewöhnlich war auch die Geste des Verschenkens, die die übliche Funktion einer auf Verkauf ausgerichteten Galerie subtil unterlief.

Erfreulicherweise hat Barsuglia nicht vergessen, dass seine Intervention auch über den Abend hinaus als Ausstellung funktionieren muss: Zu sehen sind also – der Programmatik von "Brihdy" durchaus entsprechend – Bilder, Objekte und Installationen, in denen er die Grenzen zwischen Skulptur, Spielzeug und Gebrauchsgegenstand deutlich verwischt: Neben kunstvoll gestalteten Ästen, die die Kinder zum Fischen der Ballons verwendet hatten, findet sich auch eine Steinskulptur – ein Fundobjekt -, in deren Rissen nun Petersilie wächst.

Dass ihn die Frage nach der Abbildbarkeit der Natur schon länger beschäftigt, fällt auf. Neben realistischen, ernsthaften, zum Teil poetischen Erkundungen dieser Frage hält er hier außerdem eine humorvolle Antwort bereit. Sie steckt in einem abstrakten Gemälde: eine Art Action Painting und Ergebnis des Zusammenspiels von Kindern, Beeren und einer Schaukel. (Christa Benzer, Album, 3.6.2016)

Bis 18. 6.

unttld contemporary

Schleifmühlgasse 5, 1040 Wien

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