Ein Trend zum geteilten Elektroauto

7. Juni 2016, 09:00
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E-Carsharing-Projekte wie in der Stadtgemeinde Mank sollen Zweitwagen ablösen

Mank – Wenn Martina Punz befürchtet, nicht gehört zu werden, dann hupt sie eben. "Mit dem Elektroauto ist man ja quasi immer auf leisen Sohlen unterwegs", sagt die Volksschullehrerin aus Mank. Das Auto, ein Renault Zoe, gehört nicht ihr, sondern der Stadtgemeinde, die eines der ersten E-Carsharing-Projekte im niederösterreichischen Mostviertel gestartet hat. Die erforderliche Anzahl von 15 Teilnehmern war schnell erreicht, mittlerweile sind es 19, und jetzt, in der schönen Jahreszeit, steht das Auto mit seiner Reichweite von 133 Kilometern selten länger still.

Immer mehr Gemeinden in Niederösterreich leisten sich ein elektrisches Fahrzeug, das sich interessierte Einwohner aufteilen können. Förderungen machen die Anschaffung leistbar, das Manker E-Mobil kostete die Gemeinde beispielsweise 20.660 Euro, von Bund und Land gab es Zuschüsse in Höhe von 7000 Euro. Extrakosten von rund 80 Euro monatlich fallen für die Miete des Akkus an.

Sharing statt Zweitauto

"Wir wollen vor allem Familien ansprechen, die einen Zweitwagen überlegen", sagt Herbert Permoser, Umwelt- und Energiestadtrat (ÖVP) von Mank. "Ein Zweitauto wird durchschnittlich 8000 Kilometer im Jahr gefahren. Bei nur zeitweiser Nutzung ist Carsharing die wesentlich günstigere Variante zum eigenen Fahrzeug." Und als Zuckerl gibt es noch Gratisstrom aus der E-Tankstelle vor dem fotovoltaikbestückten Rathaus. Bei einer Ladeleistung von 22 Kilowatt ist der Zoe in zwei Stunden "voll".

Genau diese Überlegungen haben auch Martina Punz zur E- Car-Driverin gemacht. Bei drei Kindern mit Führerschein ist die Familienbenzinkarosse seltener verfügbar als das gesharte E-Mobil. Außerdem wollte sie das umweltfreundliche Projekt einfach unterstützen.

Vollkasko inklusive

Pro Jahr und Person wird eine Gebühr von 120 Euro eingehoben, Familien mit bis zu drei E-Fahrern bezahlen 150 Euro, Vereine und Betriebe (maximal fünf Fahrer) 250 Euro jährlich. Die Vollkaskoversicherung (Selbstbehalt höchstens 290 Euro) ist da schon inkludiert.

Dazu kommen derzeit 80 Cent pro gebuchte Stunde und 15 Cent für jeden gefahrenen Kilometer. Ein dreistündiger Ausflug von Mank in die rund 30 Kilometer entfernte Landeshauptstadt St. Pölten und zurück kommt also auf 11,40 Euro. Im Schnitt fahren die Manker Elektrochauffeure aber nur vierzig Kilometer pro Ausfahrt. Die registrierten Benützer buchen das Auto online, auch per App, aufgesperrt wird mittels Chipkarte, abgerechnet vierteljährlich.

Weitere E-Carsharing-Angebote gibt es unter anderem in Ebreichsdorf, Tulln, Neulengbach, Maria Anzbach, Böheimkirchen, Mautern, Obergrafendorf und Krems. Die Gemeinden arbeiten mit der Plattform fahrvergnügen.at zusammen.

Eichgraben wiederum hat einen gemeinnützigen Verein gegründet, der einen Elektroauto-Transportservice in der Wienerwaldgemeinde anbietet. Mehr als 60 Fahrerinnen und Fahrer haben sich verpflichtet, mehrere Stunden pro Monat Taxi zu spielen. Dafür können sie für monatlich nur fünf Euro das E-Car auch privat nutzen. Die angemeldeten Passagiere zahlen eine monatliche Pauschale von 19 Euro. Angefordert werden die Eichgrabener E-Cars per Telefon oder E-Mail. (Michael Simoner, 7.6.2016)

  • In der schönen Jahreszeit steht das elektrische Gemeinschafts-Auto in Mank selten still.
    foto: der standard/michael simoner

    In der schönen Jahreszeit steht das elektrische Gemeinschafts-Auto in Mank selten still.

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