Glosse "Wortkunde": Facebook

Glosse4. Juni 2016, 10:00
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Bei Facebook kann man ein Profil von sich erstellen und sich mit einer selbstgeschaffenen Öffentlichkeit, den "Freunden", austauschen

Wer kennt das nicht? Man geht auf der Straße, und plötzlich kommt einem jemand entgegen, der schimpft, brüllt und schäumt. Früher ging man derlei Begegnungen aus dem Weg, heute geht man auf solche Menschen zu und hilft ihnen.

Denn man weiß, es könnte jeden von uns treffen. Auch wir könnten auf die Straße gehen und vergessen haben, dass wir gar nicht mehr auf Facebook sind. Facebook ist das größte soziale Netzwerk der Welt. Wobei die Zuschreibung sozial zunehmend kecker wird. Hochgefahren wurde die Onlineplattform 2004 von Mark Zuckerberg.

Bei Facebook kann man ein Profil von sich erstellen und sich mit einer selbstgeschaffenen Öffentlichkeit, den "Freunden", über seine Interessen, Tätigkeiten und Befindlichkeiten austauschen. Facebook ermöglicht sogar jenen, Freunde zu haben, die keine Freunde haben, wenn sie den Computer ausschalten. Facebook adelt das Banale mit Zuspruch in Form von "Likes". Facebook kann informativ oder nur tief sein.

Es spiegelt die Gesellschaft in all ihrer Genialität und Kreativität wider, in ihrer Hässlichkeit und Dummheit. Dumm und hässlich sind immer die anderen, auch wenn man selbst kaum jene Einsicht beherzigt, die man diesen anderen gern an ihre Pinnwand schreibt: Man soll nicht alles glauben, was man denkt.

Bilder von Brustwarzen und Pimmeln sind auf Facebook verboten, dafür gibt es Fuckbook. Gewalt, Hass und Niedertracht sind kein Problem, an irgendetwas müssen sich die User schließlich erfreuen, und nach dem 5000. Katzenvideo wäre sogar Edith Klinger bereit gewesen, einen Sack und ein paar Steine anzuschaffen.

Facebook sperrt nie zu, bei 1,7 Milliarden Mitgliedern kann immer einer nicht schlafen. Facebook ist überall. Entweder man hat es am Handy oder spricht offline über Dinge, die man dort gesehen hat. Facebook kann süchtig machen. Aber zum Glück nur die anderen. So, aus jetzt. Danke, dass Sie bis zum Schluss dabei waren, und danke, dass Sie diesen Text im Netz suchen und teilen. Auf Facebook natürlich. Das gefällt mir. (Karl Fluch, 4.6.2016)

  • Facebook ist überall und kann süchtig machen.
    foto: apa / afp / karen bleier

    Facebook ist überall und kann süchtig machen.

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