"Versunkene Stadt" im Ionischen Meer ist ein natürliches Phänomen

Ansichtssache3. Juni 2016, 14:30
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Athen – Vor einigen Jahren stießen Schnorchler nahe der Bucht von Alikanas vor der griechischen Insel Zakynthos auf etwas, das nach den Resten einer versunkenen Stadt aussah. Gepflasterte Böden, die Grundrisse hofartiger Strukturen und vor allem die Reste ehemaliger Säulenreihen: Nur wenige Meter unter dem Meeresspiegel schienen jede Menge Belege dafür zu liegen, dass hier eine unbekannte Zivilisation vom Ionischen Meer bedeckt worden war. Welche das gewesen sein könnte und wann sie untergegangen sei, wurde eifrig spekuliert.

foto: university of athens

Wissenschafter der Universität Athen präsentieren nun zusammen mit Kollegen der University of East Anglia die Lösung des Rätsels im Journal "Marine and Petroleum Geology": Die Strukturen stammen aus dem Pliozän, sind also bis zu fünf Millionen Jahre alt. Ein menschlicher Ursprung kann somit ausgeschlossen werden, damals gab es noch nicht einmal den Australopithecus. Dafür fanden die Forscher die wahren Baumeister der Strukturen: Es waren Mikroben.

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foto: university of athens

Das Team um Studienerstautor Julian Andrews rückte den Unterwasserstrukturen mit Mikroskopen und Röntenmessgeräten, mit Textur-, Mineralgehalt- und Isotopenanalysen auf den Leib. Spuren menschlicher Steinbearbeitung konnten keine gefunden werden – ohnehin hatte zuvor schon verdächtig gewirkt, dass auf dem Gelände keine verstreuten Reste anderer Artefakte – etwa Tonscherben – gefunden werden konnten. Alle Strukturen erwiesen sich schließlich als eindeutig natürlichen Ursprungs.

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foto: university of athens

Am auffälligsten sind kreisförmige Strukturen, die wie die Basis von Säulen aussehen. An diesen Stellen ist Methan aus dem Meeresboden ausgetreten. Mikroben, die in der Sedimentschicht am Grund leben, nutzen dieses Methan als Energiequelle – durch seine Oxidation verändert sich die chemische Zusammensetzung der Sedimente im unmittelbaren Umkreis dann zu einer Art natürlichem Zement.

Eine solche Konkretion kennt man vor allem aus Tiefen von einigen hundert bis tausend Metern unter der Meeresoberfläche, in flachen Gewässern ist sie laut den Forschern selten. Erosion hat die uralten Strukturen erst in jüngerer Vergangenheit zutage treten lassen. Dass die Strukturen in annähernd geraden Linien angelegt sind und vermeintliche Säulenreihen bilden, liegt einfach nur daran, dass sie alle aus derselben geologischen Verwerfung entspringen, die den Meeresboden nie vollständig durchbrochen hat und nur ein wenig Methan ausgasen ließ. (jdo, 4. 6. 2016)

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Marine and Petroleum Geology

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