Insel Lefkas: Im Fahrwasser des Jetset

7. Juni 2016, 05:30
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Die ionischen Inseln sind grüner und wasserreicher als andere griechische Eilande. Ob sie auch schöner sind, lässt sich schwer sagen. Jedenfalls fühlten sich Griechenlands Reiche hier wohl. Besuch von Lefkas und Meganissi

Im umtriebigen Hafenort Nidri auf Lefkas erinnert einiges an die glanzvollen Zeiten des griechischen Jetset. Die Insel Scorpios, die sich der Reeder Aristoteles Onassis zugelegt hatte, ist in Sichtweite, weshalb seine Entourage gerne in Nidris anlegte, auf einen schnellen Drink oder ein ausgedehntes Abendessen.

Im Restaurant von Dimitris Stavrakas erinnern Fotos mit dem Onassis-, später auch mit dem Kennedy-Clan an diese glanzvollen Zeiten. Zwar genießen reiche Personen in der Bevölkerung wegen deren Steuervermeidungstaktiken derzeit kein besonders hohes Ansehen. Bei Onassis jedoch gehen die Herzen auf. Ein bombastisches Denkmal, bei dem er kühn aufs Meer blickt, haben ihm die Einwohner gespendet. Als Dank dafür, dass er lokale Handwerker beschäftigte und auch für soziale Projekte an und wann seine Schatulle öffnete.

Vieles gibt es hier nur einmal

Scorpios darf von Fremden nicht betreten werden, die Insel gehört heute einer Familienstiftung. Auch der Prinz von Katar legte sich hier eine bislang unbewohnte Insel namens Oxia zu. Von Nidris aus lassen sich vom touristischen Fußvolk jedoch andere schmucke Eilande des Ionischen Meeres besuchen. Etwa Meganissi. 1,90 Euro pro Person kostet die Autofähre für die rund 30 Minuten-Fahrt.

foto: tui/florian albert
Die Statue von Aristoteles Onassis in Nidri, Lefkas, erinnert daran, dass sich der Reeder gerne in dieser schönen Gegend aufhielt.

Vieles gibt es hier nur einmal. Eine Tankstelle, einen Supermarkt, eine Apotheke, ein Taxi. Trotzdem ist das Hotel Esperides, das größte auf dieser kleinen Insel, beileibe nicht spartanisch. Beim Schwimmen im Infinity-Pool sieht man auf die Onassis-Insel Scorpios. Will man ins Meer steigen, heißt es runtergehen oder sich das Taxi mit anderen teilen, drei Euro Benzingeld pro Person.

Abgeschiedene Buchten

Die Strände sind hervorragend. Agios Joannis Beach etwa, kilometerlang mit einer kleinen Kirche am Anfang. Oder Limonari Beach mit einem Ausblick, der an die Karibik gemahnt. Viele Buchten sind nur mit Boot zu erreichen. Das tut den vom Aussterben bedrohten Mönchsrobben gut, die in den Höhlen ihr Rückzugsrevier haben.

Obwohl die Insel überschaubar ist, wagen sich in den kleinen Häusern unten am Strand hippe junge Griechen in die Selbstständigkeit. Beim Pristrina Project in Vathi setzt man ganz auf lokale Produkte. Slogan: "In Quality we trust". Es gibt Mandeln, Süßes und das omnipräsente Olivenöl.

foto: tui/florian albert

In den Dörfern oben in den Bergen leben die Alten. Die Frauen sticken hier mit Silberfäden an der Aussteuer der Tochter. Das Besondere daran: Die Stickereien sind auf beiden Seiten gleich schön.

Umtriebige Schwester

Zurück auf Lefkas merkt man, dass dies die große, umtriebige Schwester der kleinen Inseln rundherum ist. Lefkas hat alles, was der Tourist so braucht: Schöne Strände wie die weißen Sandklippen von Porto Katsiki. Buchten, in denen Surfer und insbesondere Kite-Surfer ideale Windbedingungen vorfinden.

Lefkas ist eine Insel, die über eine Drehbrücke ständig mit dem Festland verbunden ist. Das Eiland wirkt deshalb wie eine Halbinsel, die man über einen aufgeschütteten Damm, auf dem eine Straße führt, oder über eine langgezogene Nehrung erreichen kann. Diese Nehrung trennt eine flache Lagune vom offenen Meer. Sitzt man am Rande der Bucht und blickt hinaus auf die Lagune, kann man sich am Lido wähnen.

foto: tui/florian albert

Auf der anderen Seite der Lagune, also am Festland, sind die Reste einer mächtigen Burg zu besichtigen. Die Festung Santa Maura zeugt davon, dass die strategische Lage von Insel und Lagune immer begehrt und heiß umkämpft war. Venezianer, Osmanen, Franzosen, Engländer – die Besatzungsmächte wechselten ständig.

Hinterland mit Heimatmuseum

In der Hauptstadt der Insel, Lefkas Stadt, wurden die engen Gässchen so angelegt, um Piraten, die immer wieder einfielen, in die Irre zu führen. Heutzutage ist man hier ganz auf den Tourismus gepolt, reiht sich Geschäft an Restaurant. Insbesondere auf der Hauptflaniermeile, Agora genannt, lässt es sich gut bummeln oder das typische Kaffeehaus-In-Getränk "Kaffee Frappee" (Nescafe, geschäumt, mit Eiswürfeln) schlürfen.

Manche der Kirchen hier sind im Familienbesitz und werden nur zweimal im Jahr geöffnet. So auch die Kirche am Hauptplatz, Pandokratoras, die der reichen griechischen Familie Aristotelis Valaoritis gehört.

foto: tui/florian albert

Gleich hinter der Stadt beginnt das bergige Hinterland. Hier gibt es verschlafene Bergdörfer wie Karya, wo es sich auch bei großer Hitze aushalten lässt und unter schattigen Platanen gerastet werden kann. Auf dem Weg dorthin – Karya liegt etwa 700 Meter hoch – sieht man viele fruchtbare Täler, in denen die für Lefkas typische Rebe namens Vertzami gedeiht oder die schmackhaften Linsen angebaut werden.

In Karya gibt es ein uriges, streng riechendes Heimatmuseum, in dem die traditionelle Kleidung der Bauern begutachtet werden kann. Mit ihren prachtvollen Verzierungen erinnern die Kleider an die Stickereikünste der Frauen von Meganissi. Und tatsächlich werden in den Geschäften von Karya solche Silberfadenarbeiten angeboten. Auf gut 550 Euro kann eine solche Tischdecke kommen. (Johanna Ruzicka, 7.6.2016)

Infos: www.gulet.at/reiseziele/ griechenland

Die Reise erfolgte auf Einladung von Gulet.

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