Hochwasser in Deutschland: Elf Tote, noch immer Vermisste

3. Juni 2016, 15:26
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Aufräumen, aber noch kein Aufatmen in Niederbayern

Simbach am Inn – Zwei Tage nach der verheerenden Flutkatastrophe in Niederbayern wurden am Freitag die Aufräumarbeiten in der betroffenen Region unter Hochdruck fortgesetzt. Zugleich lief die Suche nach Vermissten weiter: Nachdem am Freitagnachmittag das siebente Todesopfer in einem Krankenhaus gestorben war, der sechste Tote des Hochwassers in Simbach am Inn geborgen worden war, wurde noch ein älteres Ehepaar vermisst. Bereits zu Wochenbeginn waren vier Menschen in Baden-Württemberg gestorben.

Mit der Hilfe von Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk räumten Einwohner der überfluteten Orte im Landkreis Rottal-Inn ihre Straßen und Häuser frei, die ein stinkender Schlamm überzogen hatte. Darunter kam das Ausmaß des Schadens zum Vorschein: Allein im Landkreis Rottal-Inn wurde er auf einen dreistelligen Millionenbetrag beziffert. In vielen Schulen im Landkreis fiel auch am Freitag der Unterricht aus.

Schlamm trocknet

Der heftige Regen, der am Mittwoch unvermittelt über die Gegend hereingebrochen war, hatte zwar aufgehört. Doch für die Aufräumarbeiten war das nicht unbedingt günstig. "Das Problem ist, dass der Schlamm rasch abgeräumt werden muss. Wenn er einmal getrocknet ist, wird er steinhart", erklärte ein Sprecher des Technischen Hilfswerks.

In den am schwersten betroffenen Städten Simbach am Inn, Triftern und Tann war stellenweise die Wasserversorgung ausgefallen. Dies habe aus Sicht des Simbacher Bürgermeisters Klaus Schmid (CSU) Vorrang bei den Aufräumarbeiten in der Hochwasserregion. "Noch ist die Wasserversorgung nicht komplett wiederhergestellt", sagte Schmid am Freitag. Viele Einwohner müssten sich an Sammelstellen abgezapftes Wasser aus Containern geben lassen. Auch verfügten noch nicht alle Haushalte wieder über Strom.

Um Plünderungen zu verhindern, patrouillierte die Polizei in der Nacht im Streifenwagen durch Simbach. Am Vortag waren bereits zwei Menschen festgenommen worden, die die unübersichtliche Lage ausnutzen wollten, um ein Autoradio zu stehlen.

Schiffsverkehr auf der Seine gestoppt

Auch andere Teile Europas sind von Hochwasser betroffen: In Paris hat der Fluss Seine den höchsten Pegelstand seit fast 35 Jahren erreicht. Freitagfrüh lag der Pegel nach Angaben der Behörden bei 5,55 Meter und könnte im Tagesverlauf auf 6,20 Meter ansteigen. Wegen Überschwemmungen sind inzwischen viele Uferstraßen gesperrt, der Schiffsverkehr auf der Seine wurde gestoppt.

Das weltberühmte Museum Louvre und das Impressionisten-Museum Musee d'Orsay am Seine-Ufer blieben am Freitag geschlossen. Aus Angst vor Überschwemmungen wurden in den Untergeschoßen gelagerte Werke in höhere Etagen gebracht.

Tausende Feuerwehreinsätze

Die Seine ist wegen der heftigen Regenfälle der vergangenen Tage zuletzt stark angeschwollen. Zum Vergleich: Vor einer Woche betrug der Pegelstand des Flusses in Paris noch rund 1,30 Meter. Einen höheren Pegel als am Freitagvormittag gab es zuletzt 1982, damals erreichte die Seine in der französischen Hauptstadt eine Höhe von 6,15 Metern. Bei der Jahrhundertflut im Jahr 1910 stieg die Seine auf 8,62 Meter an.

Die Überschwemmungen haben auch in der Region um Paris und in der Loire-Region zu schweren Verwüstungen geführt. Am Donnerstag wurde ein Reiter im südwestlich von Paris gelegenen Evry-Gregy-sur-Yerres von den Wassermassen fortgerissen. Die Leiche des 74-Jährigen wurde zwei Stunden später geborgen. Seit Beginn der heftigen Regenfälle am vergangenen Wochenende rückte die Feuerwehr landesweit zu 16.000 Einsätzen aus. 20.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. (APA, 3.6.2016)

  • In Simbach am Inn kämpften die Helfer auch noch am Freitag gegen die Auswirkungen der Unwetter.
    foto: apa/dpa/angelika warmuth

    In Simbach am Inn kämpften die Helfer auch noch am Freitag gegen die Auswirkungen der Unwetter.

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