Tränengas gegen Demonstranten in Venezuela

3. Juni 2016, 10:05
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Proteste gegen Lebensmittelknappheit – Bevölkerung leidet massiv unter Wirtschaftskrise

Caracas – In Venezuela sind Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen aufgebrachte Demonstranten vorgegangen. "Wir wollen Essen" riefen Hunderte am Donnerstag auf dem Weg zum Sitz des Präsidenten im Zentrum der Hauptstadt Caracas. Soldaten der Nationalgarde stellten sich ihnen in den Weg und die Polizei sperrte eine Hauptverkehrsstraße ab. Es kam zu Tumulten.

Augenzeugen zufolge entwickelten sich die Proteste spontan aus den langen Schlangen vor den Geschäften heraus. Einige Personen versuchten einen Lastwagen mit Lebensmitteln in ihre Gewalt zu bringen. "Wir sind hungrig und müde", sagte ein Frau in dem der Opposition nahestehenden TV-Sender Vivoplay. "Ich warte hier seit acht Uhr in der Früh. Es gibt keine Nahrungsmittel mehr in den Geschäften und Supermärkten."

Keine Lebensmittel, kein Strom

Venezuela steckt in einer schweren Wirtschaftskrise und bekommt die niedrigen Ölpreise massiv zu spüren. Die Bevölkerung leidet unter Lebensmittelknappheit und einer extremen Inflation. Der Strom fällt immer wieder aus. Präsident Nicolas Maduro verhängte den Notstand. Der Widerstand gegen den Sozialisten wächst und Protestkundgebungen häufen sich. Die Regierung beschuldigte die Opposition, die erneuten Proteste initiiert zu haben. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage aber unter Kontrolle.

"Jeden Tag mobilisieren sie brutale Gruppen, die auf den Straßen Gewalt provozieren", sagte Maduro am Donnerstag auf einer Kundgebung. Er macht die Ölpreise und einen Wirtschaftskrieg seiner Feinde für die desolate Lage in dem ölreichen OPEC-Land verantwortlich. Eine Erholung der Ölpreise ist nicht in Sicht. Die OPEC-Staaten konnten sich am Donnerstag erneut nicht auf eine gemeinsame Obergrenze für die Produktion einigen.

Opposition will Maduro absetzen

Die Opposition, die über die Mehrheit im Parlament verfügt und sich im Bündnis MUD zusammengeschlossen hat, fordert ein Referendum über Maduros Absetzung. Umfragen zufolge befürwortet eine Mehrheit der Venezolaner den Rücktritt des Präsidenten.

Das Regierungslager, das die meisten Staatsinstitutionen kontrolliert, lehnt eine Volksabstimmung jedoch strikt ab. Derzeit warten die Venezolaner auf eine Entscheidung der Wahlbehörden darüber, ob die Opposition ihre Bemühungen um ein Referendum fortsetzen darf.

Unterdessen setzt sich Brasilien Regierungskreisen zufolge dafür ein, die Stellung von Maduro auf dem Kontinent zu schwächen. Das Land will verhindern, dass der Präsident von Venezuela in diesem Monat den Vorsitz in dem südamerikanischen Handelsblock Mercosur übernimmt, wie ein Berater von Übergangspräsident Michel Temer zu Reuters sagte. Das Büro von Temer dementierte solche Pläne jedoch. (APA, 3.6.2016)

  • Soldaten der Nationalgarde stellten sich Demonstranten in den Weg.
    foto: afp photo / juan barreto

    Soldaten der Nationalgarde stellten sich Demonstranten in den Weg.

  • Die Demonstranten protestieren gegen die Lebensmittelknappheit.
    foto: afp photo / ronaldo schemidt

    Die Demonstranten protestieren gegen die Lebensmittelknappheit.

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