Aufsichtsräte in Österreich im internationalen Vergleich unterbezahlt

3. Juni 2016, 06:32
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Vergütungen stagnieren während Vorstandschefs immer mehr verdienen – Frauenquote bei Aufsichtsratsvorsitz auf 10 Prozent gestiegen

Wien – Aufsichtsräte verdienen in Österreich zu wenig. "Ich glaube nicht, dass man mit dieser Vergütung die Hochkaräter kriegt, die machtsymmetrisch dem Vorstand gegenhalten können", sagt Michael Kramarsch, Partner bei der Unternehmensberatung hkp Group. Aufsichtsratsvorsitzende im ATX verdienen im Schnitt mit 63.500 Euro im Jahr nur ein Drittel des Betrages, den ihre Kollegen im deutschen MDAX bekommen.

hkp analysiert seit Jahren die Vergütung von Vorstandschefs und Aufsichtsratsvorsitzenden in Deutschland und Österreich. In Österreich falle auf, dass die Entlohnung der Vorstände deutlich steigt, während die Aufsichtsratsvergütung stagniert. International gehe der Trend hingegen dahin, dass Aufsichtsräte immer mehr in die Haftung genommen werden und ihre Gage stärker steigt als die der Vorstände, verglich Kramarsch im Gespräch mit der APA. Während man international nach Leuten mit Reputation suche, die nicht nur kontrollieren, sondern auch als "strategische Sparringpartner" für den Vorstand zur Verfügung stehen, "stellt sich in Österreich die Frage, ob das nur als Entschädigung für einen Job gesehen wird, der für den Status angenommen wird".

Unternehmensaktien als Lohn

Ein aktiver Aufsichtsratsvorsitzender muss sich pro Woche ein bis zwei Tage intensiv mit dem Unternehmen beschäftigen. Wenn man dann sein Einkommen mit Sätzen von Beratertagen vergleiche, sei klar, dass man den Job nicht für das Einkommen übernehme, meint Kramarsch: "Es ist besser, es macht jemand die Tätigkeit wegen der Bezahlung, als aus einem diffusen Motivbündel heraus."

Auch gebe es in Österreich für Aufsichtsräte fast nur feste Vergütung, während international die Rolle als Unternehmensberater zunehmend auch damit abgebildet wird, dass Aufsichtsräte in Unternehmensaktien entlohnt werden, die sie bis zum Ausscheiden halten müssen. Etwa ein Fünftel bis ein Viertel der DAX-Unternehmen haben dieses System bereits.

Frauen in Aufsichtsräten

In einem Punkt ist Österreich immerhin relativ fortschrittlich: Mit Regina Prehofer bei Wienerberger und Edith Hlawati bei der Post gibt es zwei Aufsichtsratsvorsitzende. Zwei Monate lang, vom Start von Hlawati im April 2015 bis zum Ausscheiden von Kerstin Gelbmann bei conwert im Juni 2015, waren es sogar drei. Angesichts von nur 20 ATX-Unternehmen sind das zehn Prozent. Im großen Deutschen Börsenindex DAX (30 Unternehmen) führt nur bei Henkel mit Simone Bagel-Trah eine Frau den Aufsichtsratsvorsitz, als Miteigentümerin des Unternehmens hat sie aber eine besondere Rolle. Auch im MDAX (50 Unternehmen) wurden 2015 die Aufsichtsräte nur in der Aareal-Bank (Marija Korsch) und bei Zalando (Cristina Stenbeck) geführt, Stenbeck ist Anfang 2016 ausgeschieden.

In Österreich hat 2015 die Erste Group ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden 140.000 Euro gezahlt, dahinter folgten schon mit Respektabstand Voest, Wienerberger und conwert mit Gagen knapp über 80.000 Euro. Im MDAX, der vergleichbar große Unternehmen führt wie der ATX, erhalten Aufsichtsratschefs im Schnitt 176.500 Euro, im DAX mit den großen deutschen Unternehmen sind es 356.000 Euro. (APA, 3.6.2016)

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