Gadgets auf der Computex: Smarte Autobatterien und Lowcost-VR

14. Juni 2016, 17:20
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Kleine Entdeckungen auf der größten IT-Messe Asiens im Überblick

Asus, Microsoft, Intel und Co.: Das Rampenlicht auf der Computex 2016 gehört hauptsächlich den Riesen der IT-Branche. Aber auch andere Firmen, darunter auch unbekannte Whitelabel-Hersteller aus chinesischen Fertigungsmetropolen wie Shenzhen, hatten manche interessante Dinge anzubieten. Eine kleine Auswahl.

Acer Beingware: Autobatterien werden smart

Acer ist nicht nur taiwanischer Lokalmatador, sondern darf ruhig zu den Größen der Branche gezählt werden. Auf der diesjährigen Computex ließ man es aus Consumer-Perspektive aber eher ruhig angehen und überließ die Aufmerksamkeit der eigenen Gaming-Sparte "Predator".

Neben dem üblichen Sortiment an Laptops, Smartphones und anderen Geräten war der Messestand einem neuen Schlagwort gewidmet: Beingware. Das ist die Bezeichnung für Acers Internet-of-Things-Programm. Das Unternehmen will diverse Dinge des Alltags mit Mikroprozessoren ausstatten und vernetzen. Die smarte Autobatterie Xterran ist dabei wohl das ambitionierteste Projekt.

foto: derstandard.at/pichler

Die Batterie soll sich prinzipiell für jede Art von Elektrofahrzeug umsetzen lassen und wird auch schon getestet. Unter anderem arbeitet Acer hier mit einem deutschen Autohersteller zusammen. Xterran verfügt über eine Reihe von Sensoren sowie ein LTE-Modem. Über die Drahtlosverbindung funkt die Batterie nicht nur Informationen über ihren eigenen Zustand, sondern auch über andere Aspekte des Fahrzeugs.

Sie gibt beispielsweise eine ungefähre Auskunft über den Zustand der Aufhängung, ohne dass dort zusätzlich Sensoren angebracht sein müssen. Möglich macht dies ein Algorithmus. Der aus Vibrationen und anderen Messergebnissen der Instrumente am Akku entsprechende Einschätzungen abgibt. Das soll sicherstellen, dass Unternehmen stets über den Zustand ihrer Fahrzeugflotte im Bild sind und auch Privatkunden ihr Vehikel rechtzeitig in die Werkstatt bringen. Gleichzeitig sorgt es für Transparenz, da so auch der Fahrzeuginhaber über diagnostische Informationen verfügt.

Zusätzlich ermöglicht das System auch die Ortung der Autos. Softwareseitig lässt sich beispielsweise über Geofencing das Verkehrsgebiet beschränken und eine Warnung ausgeben, sollte ein Vehikel das vorgegebene Areal verlassen. Um das System möglichst sicher gegen unerwünschten Fremdzugriff zu machen, kooperiert Acer mit einem Dritthersteller, der eine Art fortgeschrittenes DRM-System implementiert.

foto: derstandard.at/pichler

Lowcost-VR: Die All-in-One-Brillen kommen

Während HTC, Oculus und künftig auch Sony am PC- und Konsolenmarkt die VR-Lawine lostreten, sind es im mobilen Bereich Firmen wie Samsung und Google. Mit "Daydream" erhält die nächste Generation des Android-Betriebssystems eigene Optimierungen für das neue Spiel- und Multimediaerlebnis und auch eigene Spezifikationen für "Daydream"-kompatible Smartphones.

Was Google auf seiner letzten Entwicklermesse entgegen vorhergehender Gerüchte nicht gezeigt hat, war eine integrierte VR-Brille, also ein VR-Viewer, in den Display, Prozessor und alle anderen notwendigen Komponenten bereits verbaut sind, um sich mühseliges Herumhantieren mit dem Smartphone zu ersparen. Hier springen nun chinesische Whitebox-Hersteller ein.

Gleich mehrere, meist als "VR Box" vermarktete Geräte waren auf den Messeständen zu finden. Ihre Spezifikationen waren praktisch ident. Sie liefen mit einem Rockchip RK3288, einem Mittelklasse-Chip, der vor allem in günstigeren Tablets und Chrome OS-Geräten Verwendung findet. Dazu ist ein 5,5-Zoll-Bildschirm mit 1.920 x 1.080 Pixel Auflösung verbaut. Neben dem für VR notwendigen Sensor-Sortiment gibt es außerdem WLAN- und Bluetooth-Konnektivität. Auf der Vorderseite findet sich zudem eine Kamera, neben einem microUSB-Port ist auch ein microSD-Slot integriert.

foto: derstandard.at/pichler

Vorinstalliert ist Android 5.1 in einer eigenen Adaption namens "Nibiru", die für die Nutzung per VR ausgelegt ist. Soweit austestbar – im Moment handelt es sich noch um Prototypen mit unfertiger Softwareaussstattung – bieten diese Geräte eine flüssige VR-Erfahrung. Dass sie schon allein aufgrund ihrer niedrigen Auflösung und bisweilen mäßig bequemen Ausführung mit Geräten wie Samsungs GearVR nicht mithalten, überrascht allerdings nicht.

Mit einem Preispunkt, der für den Endkonsumenten im Bereich von 100 bis 200 Euro liegen dürfte, bieten sie aber künftig einen sehr leistbaren, unkomplizierten Einstieg für Neugierige in die virtuelle Realität. Dass sich die Lowcost-Headsets ab Jahresende auch mit dem Logo westlicher Unternehmen ihren Weg in Onlineshops und manche Geschäfte bahnen, ist durchaus möglich. Auf jeden Fall wird man sie bei diversen Importhändlern im Internet finden.

foto: derstandard.at/pichler

China spielt gut mit

Gaming ist auf der Computex 2016 ein Riesending. Bunt und laut geht es auf den Messeständen diverser Hersteller zu. Es gibt haufenweise VR-bereite Rechner, spektakuläre Gehäuse und haufenweise Peripheriegeräte zu sehen. Den Boom der Branche hat man freilich auch in China mitbekommen.

Und so finden sich neben den bekannten Marken auch einige Hersteller, die man in Europa und den USA nicht kennt. Und bei näherer Betrachtung darf man feststellen, dass deren Produkte qualitativ oft gut mithalten können. Spannend ist etwa der Auftritt von Zidli, wo man sich auf Tastaturen, Mäuse und Headsets spezialisiert hat.

Die ausgestellten Geräte machten einen gut verarbeiteten Eindruck. Das Unternehmen macht kein Rebranding, sondern designt und fertig laut einer Unternehmensvertreterin selber. In China ist man bereits erfolgreich vertreten, nun möchte man ins Ausland expandieren – was auch der Hauptgrund für den Auftritt auf der Computex ist.

Einen Zeitplan gibt es für den Sprung in andere Märkte allerdings noch nicht. Derzeit ist man im Gespräch mit Interessenten, die sich eine Vermarktung der Zidli-Peripherie vorstellen können. (Georg Pichler, 14.06.2016)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Reisekosten und die Unterbringung zur Computex wurden vom Taiwan Trade Office übernommen.

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