Blocks ausprobiert: Modulare Smartwatch am Handgelenk

4. Juni 2016, 09:47
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Klobiges Pionierprodukt kann Stück für Stück erweitert werden und steht kurz vor der Fertigstellung

Nach einigen verheißungsvollen Entwicklungen sind Crowdfundingplattformen, allen voran Kickstarter und Indiegogo, nach einigen gescheiterten und dubiosen Projekten etwas in Verruf geraten. Da ist es auch einmal erfreulich, dort finanzierte Produkte nicht nur auf Renderings und Fotos zu sehen, sondern in Echt in der Hand zu halten.

Auf der Computex vertreten waren unter anderem die Macher von Blocks zugegeben. Hinter der unspektakulären Bezeichnung des gleichnamigen Londoner Start-ups verbirgt sich ein durchaus ambitioniertes Projekt, nämlich die weltweit erste modulare Smartwatch. Der WebStandard hatte sie am Handgelenk.

foto: derstandard.at/pichler
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Einfache Idee, knifflige Umsetzung

Die Idee klingt simpel, doch sie legt die technische Latte hoch. Eine smarte Uhr, deren Kernmodul die Grundausstattung bringt und die rund um den Arm über einzelne Module mit Zusatzfunktionen erweitert werden kann. Das erfordert entsprechend geeignete Verbindungen zwischen den einzelnen Zusatzteilen und nicht zuletzt auch Software auf der Uhr, die mit dieser Hardware umgehen kann.

Zumindest die Realisierung von ersterem konnte Blocks mit dem Prototypen vor Ort in Taipeh bereits glaubhaft darlegen. Blocks besteht aus einer Haupteinheit. Sie beinhaltet die wichtigste Hardware, eingepackt in ein wasser- und staubdichtes Gehäuse aus rostfreiem Stahl. Darunter arbeitet ein Prozessor des Typs "Snapdragon 2100 Wear" von Qualcomm, weiters gibt es einen Beschleunigungsmesser für einfache Funktionen wie Schrittzählung.

Zur Benutzung wird hauptsächlich das runde AMOLED-Display (400 x 400 Pixel) herangezogen. Die Anbindung an Smartphones erfolgt via Bluetooth und eigener App, die für Android und iOS zur Verfügung steht.

foto: derstandard.at/pichler

Konnektorsystem

Vom Hauptteil aus lassen sich die einzelnen, leicht gebogen geformten Module über flexibel bewegliche Konnektoren mit acht Kontakten verbinden. Sie halten mithilfe seitlicher Pins aneinander. Das Prinzip ist im Grunde gleich ausgeführt, wie die Halterung klassischer Uhrbänder. Die Verbindung wirkt stabil. Ob die Module auch langfristig an diesen potenziell empfindlichen Stellen haltbar bleiben, lässt sich jetzt noch nicht beurteilen, auch weil das Vorführgerät noch nicht der finale Prototyp ist.

Wie viele Module hinzu kommen, hängt auch vom Umfang des eigenen Handgelenks ab. Im Mittel sollten vier bis fünf der Zusätze Platz haben. Zum Lieferstart, der im September erfolgen soll, werden sieben verschiedene Erweiterungen zu haben sein, von denen bei der Vorbestellung vier im Preis inbegriffen sind.

foto: derstandard.at/pichler

Modulvielfalt

Es gibt einen optischen Pulsmesser, ein NFC-Modul für Zahlungen, ein "Abenteuer"-Modul für die Erfassung von Luftfeuchte, Luftdruck und Temperatur, ein GPS-Add-on, eine LED-Leuchte, eine Akku-Erweiterung und ein Modul mit frei programmierbarer Tastenfunktion – etwa, um am Handy die Kamera auszulösen. Weitere Erweiterungen sind bereits in Planung.

Nach dem letzten Modul wird der zweite Teil des Armbands angeschlossen, hier lässt sich die Länge einfach über Löcher regeln. Mit der teils raffinierten Ästhetik anderer Smartwatches hat Blocks relativ wenig gemein. Sie ist relativ klobig und für ihre Produktkategorie auch schwer. Beides kann sich bis zum Release freilich noch verbessern, doch auch das fertige Produkt wird wohl aussehen wie das Wearable-Äquivalent zu einem typischen "Outdoor-Smartphone".

foto: derstandard.at/pichler

Angepasstes Android

Auf Blocks läuft Android, allerdings nicht in der von Google für Wearables optimierten "Android Wear"-Fassung. Aufgrund des modularen Konzeptes musste eine Eigenentwicklung her. Die britischen Erfinder haben ein herkömmliches Android-System für ihre Zwecke stark angepasst – eine brauchbare alternative Lösung war nicht in Sicht.

Die Menüführung der Eigenentwicklung, die derzeit auf Android 6 basiert, ist teilweise dem spezialisierten Google-System nachempfunden. Es reagierte bisweilen allerdings träge, die wenigen Apps, die zur Verwendung mit Modulen gedacht waren, funktionierten. Bis zum Lieferstart haben die Entwickler noch einige Arbeit vor sich.

foto: derstandard.at/pichler

Module sollen sich übrigens ergänzen und austauschen lassen, ohne die Smartwatch zuvor ausschalten zu müssen. In Sachen Laufzeit liegt die Uhr nach Angaben der Entwickler auf dem Niveau anderer computerisierter Zeitmesser. Der im Hauptmodul integrierte 300-mAh-Akku soll einen bis anderthalb Tage Verwendung gewährleisten. Steckt man ein Zusatzakku-Modul an, kommen weitere 100 mAh hinzu, was gut einen halben Tag zusätzlichen Betrieb bringt.

Ersteindruck

Dass das Blocks-Projekt mittlerweile zwei Monate hinter seinem ursprünglich geplanten Releasedatum liegt, darf nicht verwundern. Technologieprojekte auf Kickstarter, zumindest jene, die tatsächlich finalisiert werden, sind häufig verspätet.

Allerdings ist man hier auf einem sehr guten Weg, das aktuelle Zieldatum September einhalten zu können, was alle Vorbesteller und Kickstarter-Unterstützer beruhigen sollte. Das Crowdfunding hatte Blocks vergangenes Jahr 1,6 Millionen Dollar eingebracht. Geld, aus dem nun schließlich ein sehr spannendes Produkt wird. (Georg Pichler aus Taipeh, 04.06.2016)

Hinweis im Sinne der Leitlinien: Die Reisekosten und Unterbringung zur Computex werden vom Taiwan Trade Office übernommen.

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