Wiens Einkaufsstraßen: Wenige Geschäfte barrierefrei

3. Juni 2016, 08:00
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Laut einer Studie haben es Rollstuhlfahrer vor allem in kleinen Geschäften schwer

Wien – Von Vorteil ist es, wenn man als Rollstuhlfahrer nicht Fan von kleinen Geschäften ist, sondern der großen Einkaufszentren. Nur sie sind in Wien zu 100 Prozent barrierefrei zugänglich, zeigt eine neue Auswertung des Behindertenverbandes ÖZIV. Für die Erhebung, die dem STANDARD vorliegt, wurden 1.700 Geschäftslokale in den zehn größten Einkaufsstraßen der Bundeshauptstadt untersucht.

Das zentrale und auch ernüchternde Ergebnis: Noch immer sind nur 44,5 Prozent aller geprüften Geschäfte stufenlos zugänglich. Im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2014 bedeutet das nur eine leichte Verbesserung (damals waren es 41,3 Prozent). Und das, obwohl am 1. Jänner eine zehnjährige Übergangsfrist abgelaufen ist und seither alle öffentlich zugänglichen Gebäude barrierefrei gestaltet sein müssen.

Landstraße deutlich verbessert

Auffällig ist auch, dass es eigentlich nur in drei Einkaufsstraßen deutliche Fortschritte gibt: In der Landstraße im dritten Wiener Bezirk gab es die größte Steigerung: Der Anteil der stufenlos zugänglichen Geschäftslokale stieg seit 2014 um zwölf Prozentpunkte auf 53 Prozent. In der Simmeringer Hauptstraße (elfter Bezirk) kletterte der Anteil um elf Prozentpunkte auf 36 Prozent. Und auf der Mariahilfer Straße im sechsten Bezirk sind mittlerweile 70 Prozent der 307 untersuchten Eingänge stufenlos zugänglich (plus sechs Prozentpunkte).

Die Kärntner Straße und die Favoritenstraße verzeichnen zwar auch noch recht hohe Werte (61 bzw. 69 Prozent barrierefrei), hier sind in den vergangenen zwei Jahren aber keine Fortschritte mehr zu beobachten. Schwierig ist es für Rollstuhlfahrer in der Alser Straße, der Josefstädter Straße und der Ottakringer Straße, wo jeweils weniger als 30 Prozent der Geschäfte barrierefrei zugänglich sind.

Beim Blick auf die Branchen zeigt sich, dass vor allem Unternehmen des Heilmittelbedarfs (75 Prozent) und Apotheken (71 Prozent) darauf setzen, für körperlich beeinträchtigte Menschen leicht zugänglich zu sein. Nach wie vor schwierig ist es, barrierefreie Friseure oder Nagelstudios zu finden (nur 25 Prozent).

Wenige Rollstuhlglocken

Rollstuhlglocken und mobile Rampen sind in den Einkaufsstraßen die Ausnahme. Erstere konnten vom ÖZIV in 21 Geschäften gefunden werden, mobile Rampen wurden überhaupt nur in sechs Fällen entdeckt.

Theoretisch können sich behinderte Menschen, wie berichtet, auf dem rechtlichen Weg wegen einer Diskriminierung wehren. Bei Verstößen gegen das Behindertengleichstellungsgesetz ist Schadenersatz möglich, es besteht aber kein Anspruch auf Beseitigung der Barriere. (go, 3.6.2016)

  • Fan kleiner Geschäfte ist man als Rollstuhlfahrer in Wien besser nicht.
    foto: standard/cremer

    Fan kleiner Geschäfte ist man als Rollstuhlfahrer in Wien besser nicht.

  • Stufenlos zugänglich sind nicht viele.
    grafik: standard

    Stufenlos zugänglich sind nicht viele.

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