Norbert Hofer und die Kunst: Das Problem mit der Hautevolee

Kommentar2. Juni 2016, 18:02
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Der unterlegene Präsidentschaftskandidat war bei einem Fundraising-Dinner im Mumok unerwünscht

Dem sauren Aufstoßen des "Kronen Zeitung"-Briefonkels Michael Jeannée haben wir es zu verdanken, dass das Museum moderner Kunst (Mumok) im Boulevard prominente Erwähnung fand. Seine an Mumok-Direktorin Karola Kraus gerichtete "Post" von Donnerstag unterfertigte dieser allerdings mit der Grußformel "ohne Hochachtung".

Stein des Anstoßes: Kraus hatte einem zum Fundraising-Dinner geladenen Gast zu verstehen gegeben, dass sie den FPÖ-Politiker Norbert Hofer in dessen Tischgefolge nur ungern akzeptieren würde. Sie habe "ruhig und besonnen" darauf hingewiesen, dass bei diesem Fundraising-Dinner noch nie Politiker dabeigewesen seien, erklärt Kraus dem STANDARD. Explizit ausgeladen habe sie Hofer – wie in der "Krone" behauptet – nicht. Der Gast zog seine Tischreservierung, für die er 4.000 Euro gezahlt hätte, trotzdem erbost zurück.

FPÖ-Chef Strache postete die "Krone"-Kolumne auf seinem Facebook-Profil gleich doppelt, übertitelt mit "Wieder ein genialer Jeannée!!!" und "In welcher Demokratie leben wir?". Die im Wahlkampf mit einem geschickten Trick strapazierte Polarisierung zwischen Hautevolee und (einfachen) Menschen besorgten die zahlreichen Poster darunter ganz von selbst. Das Mumok als Bestätigung aller Vorurteile. In den Foren wird dann zum Boykott aufgerufen.

Nun muss man einer unheiligen Streannée-Allianz nicht das Wort reden. Doch in der Sache hat man diesmal recht: Der Umgang der Kulturszene mit der FPÖ ist von tiefer Unsicherheit geprägt. Anstatt die (schwierigere) argumentative Konfrontation zu suchen, wird allzu oft auf Abschottung gesetzt. Ja, Karola Kraus hätte Norbert Hofer im Mumok dinieren lassen sollen. Ein Haus dieses intellektuellen Formats muss sich vor niemandem fürchten.

So aber fühlen sich Straches über 300.000 Facebook-Fans, in fehlgeleiteter Nibelungentreue zu ihren Politstars, gleich selbst mit ausgeladen. Eine Kulturszene, die etwas auf ihre argumentative Stärke hält, sollte aber zumindest versuchen, sie mit ins Boot zu holen.

Viel ist in den Museen die Rede von sozialer Inklusion, vom Hereinholen aller von der Gesellschaft Abgehängten. Zu Recht soll es dabei keine Grenzen geben. Über die Sinnhaftigkeit von Parteigrenzen könnte man dabei durchaus auch einmal nachdenken. (Stefan Weiss, 2.6.2016)

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