Opec nur einig bei Generalsekretär

2. Juni 2016, 17:54
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Barkindo folgt auf El Badri – Kein Produktionsdeckel

Wien – Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat bei ihrer Halbjahreskonferenz in Wien zumindest in einer Sache Entscheidungsstärke bewiesen: Mit dem Nigerianer Mohammed Barkindo haben die 13 Mitgliedsländer einstimmig einen Nachfolger für Abdalla El-Badri aus Libyen bestellt, dessen Mandat nach zwei Amtsperioden an und für sich schon 2012 abgelaufen wäre.

Weil innerhalb des Ölkartells namentlich Saudi-Arabien, Iran und Irak bisher auf einen eigenen Kandidaten bestanden hatten, musste das Mandat von El-Badri ein ums andere Mal verlängert werden. Barkindo, der ehemalige Leiter des nigerianischen staatseigenen Mineralölunternehmens, hat am Donnerstag die notwendige Zustimmung aller Mitgliedsländer erhalten. Er löst El-Badri Anfang August ab und bleibt für zunächst drei Jahre an der Spitze der tief zerrissenen Organisation.

Beobachtern zufolge wollte man mit der Wahl des neuen Generalsekretärs zumindest ein kleines Zeichen der Einigkeit nach außen setzen. Zuletzt stand das einst mächtige Ölkartell stark unter Druck, weil unterschiedliche Interessen zu einem Entscheidungsstillstand führten.

Keine Entscheidung über Produktionsmengen

Und tatsächlich gab es außer der Bestellung eines neuen Generalsekretärs keine Entscheidung, was die künftigen Produktionsmengen der 13 Mitgliedsländer betrifft. Die aktuelle Fördermenge sei "vernünftig" für den Markt, sagte der scheidende Generalsekretär El-Badri. Der indonesische Ölminister Sudirman Said bestätigte, dass die Länder keine Einigung über die künftige Förderpolitik finden konnten.

Für Analysten ist das nicht weiter überraschend, konnten sich die Opec-Länder doch schon im Dezember bei deutlich niedrigeren Preisen auf keine gemeinsame Linie verständigen. Die Interessenunterschiede, speziell zwischen Saudi-Arabien und Iran, waren zu groß. Daran hat sich bis jetzt nichts geändert.

Saudi-Arabien, das größte und wichtigste Förderland im Kreis der Opec, hatte durch Auf- und Zudrehen der Ölhähne in der Vergangenheit immer wieder zu einer Stabilisierung der Preise beigetragen – bis 2014, als das Preisgefüge ab dem Sommer infolge verstärkt auf den Markt drängender Schieferölmengen zu rutschen begann.

Preise um die 50 Dollar je Fass, wie wir sie derzeit sehen, sind gut für die Opec, sagte John Hall, Chef von Alfa Energy, dem STANDARD. "Der Anteil der Schieferölproduktion in den USA dürfte bis Mitte 2017 von mehr als fünf auf gut vier Millionen Fass (je 159 Liter) am Tag sinken. Die Opec kann abwarten." (Günther Strobl, 2.6.2016)

  • Mohammed Barkindo, Generalsekretär der Opec.
    foto: afp/pius utomi ekpei

    Mohammed Barkindo, Generalsekretär der Opec.

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