Zenfone 3 Deluxe ausprobiert: Asus greift nach der Kamerakrone

5. Juni 2016, 11:44
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Guter Ersteindruck für die Kamera des Smartphones, jedoch auch ergonomische Defizite

Samsung, LG, HTC, Sony – das sind die wohl gängigsten Firmennamen, wenn man über global erhältliche Highend-Smartphones spricht. Freilich gibt es auch andere Hersteller, die gute Produkte abliefern, etwa Chinas Marktriese Xiaomi. Der ist abseits der Heimat aber offiziell nur in einigen wenigen Märkten tätig.

In den Kreis der "Handyelite" aufrücken will nun ein taiwanischer Hersteller, den man hierzulande vor allem für Computerperipherie, Desktoprechner und Laptops kennt: Asus. Vor kurzem hat der Konzern auf der Computex in Taipeh ein neues Geräte-Trio seiner Zenfone-Serie vorgestellt. Das Zenfone 3, Zenfone 3 Deluxe und Zenfone 3 Ultra sollen die Konkurrenz alt aussehen lassen. Der WebStandard hat das Standard- und Deluxe-Modell auf der IT-Messe kurz angetestet.

foto: derstandard.at/pichler
Zenfone 3 Deluxe
foto: derstandard.at/pichler
Zenfone 3 Deluxe

Design und Display

Wäre die Deluxe-Version des Zenfone 3 nicht um eine Spur größer, könnte man beide Modelle kaum voneinander unterscheiden. In Sachen Design wagt Asus keine Spielchen und lässt die neuen Androiden wie Zwillinge aussehen. Auch im Vergleich zum Vorgänger bleibt man seiner Designsprache weitestgehend treu, wechselt aber trendbewusst von einer Kunststoffhülle auf einen metallenen Body.

Das Zenfone 3 Deluxe bietet ein 5,7-Zoll-Display bei Maßen von 156 x 77 x 7,5 Millimetern. Die Standardausgabe ist um rund vier Millimeter kürzer und eine Spur dicker. In beiden Fällen liegt die Auflösung bei 1.920 x 1.080 Pixel. Beim Bildschirm hat sich Asus auch nicht lumpen lassen. In beiden Fällen werden gute Farben und Kontraste sowie stabile Blickwinkel geliefert. Das Zenfone 3 Deluxe nutzt Super-AMOLED anstelle eines IPS-Panels, dementsprechend erscheinen Farben hier etwas intensiver.

foto: derstandard.at/pichler
Display des Zenfone 3

Verarbeitung und Software

Verarbeitungstechnisch wirken die Geräte solide. Alle Kanten sind gerade, es waren keine problematischen Spalten zu entdecken. In ergonomischer Hinsicht leidet vor allem das Deluxe-Zenfone an seiner Länge. Sind 5,7-Zoll-Geräte selbst für Menschen mit größeren Händen nicht mehr ganz leicht zu halten, erschwert es hier die breite "Lippe" des Handys. Deren Ausmaß ist auch der Tatsache geschuldet, dass Asus haptische Navigationstasten einer Onscreen-Navigationsmöglichkeit vorzieht.

Als System kommt Android 6.0.1 "Marshmallow" zum Einsatz, überlagert von Asus eigener ZenUI und einigen vorinstallierten Hersteller-Apps. Auf beiden Geräten starteten Programme schnell und die Navigation durch die Menü lief flüssig. Das Zenfone 3 nutzt mit dem Snapdragon 625 einen Mittelklasse-Chip. Die Deluxe-Ausgabe verfügt über den Snapdragon 820, den auch LG, HTC und Co. bei ihren jüngsten Spitzensmartphones einsetzen.

foto: derstandard.at/pichler
Zenfone 3 Deluxe

Kamera

Besonders beworben wird das Zenfone 3 mit seiner Kamera. Hier soll ein Sensor mit 23 (Deluxe) bzw. 16 MP für gute Fotografieergebnisse sorgen. Dabei gibt sich Asus sogar derart überzeugt, dass es das Schlagwort "professionell" verwendet.

Zu den Kameraqualitäten der Deluxe-Ausgabe lässt sich wenig sagen. Denn die Kamera-App ruckelte beim Probelauf heftig. Nicht nur gab es Auslöseverzögerungen, selbst die normale Anzeige des Kamerabildes funktionierte nur sprunghaft. Ein Repräsentant des Unternehmens verwies darauf, dass das Smartphone am Messestand noch eine Vorproduktionseinheit sei, das mit unfertiger Firmware lief.

Besser beim "normalen" Zenfone 3. Hier ließ der "Tri-Tech"-Fokus seine Stärken schon erahnen. Trotz der Messehallen-typischen, schwierigen Lichtbedingungen stellte die Kamera stets in Windeseile scharf. Und auch im gleißenden Licht in teils wechselnden Farben kamen Fotos heraus, die bei erster Betrachtung farblich sehr natürlich und relativ detailreich wirken.

"In Action" zeigte Asus die Kombination dreier Fokustechnologien bei einer etwas kuriosen Installation. Ein fix montiertes Zenfone war auf eine Miniatur-Zugstrecke gerichtet, dessen Schienenverkehrsmittel einen Zettel mit der Aufschrift "Revolution Zenvolution" spazieren fuhr ("Zenvolution" war der Name des Asus-Events).

Tatsächlich blieb die Abbildung des Geschehens am Display fast durchgehend scharf. Nur ein sehr kurzes "Verwaschen" des Bildes war bei der laufenden Scharfstellung zwischenzeitlich bemerkbar.

foto: derstandard.at/pichler
Zenfone 3

Zusammenfassung

Es ist noch deutlich zu früh, um ein endgültiges Urteil über Asus' Griff nach dem Kamera-Thron zu fällen. Einerseits war ein unmittelbarer Vergleich mit einem der namhaften Konkurrenten nicht möglich, andererseits gibt es noch andere schwierige Lichtsituationen, denen man die Kamera des Zenfone 3 dafür aussetzen muss – etwa Abende und Nächte.

Wann sich diese Probe ergibt, ist aber noch unklar, bis zur Verfügbarkeit dauert es allerdings noch. Als grober Termin ist "das dritte Quartal nach Juli" durchgesickert, was einen Release im August oder September bedeutet. Und dann gilt es auch noch andere Aspekte zu testen, denn immerhin sollen die neuen Zenfones auch mit besonders guten Lautsprechern auffallen und trotz quasi unsichtbarer Antennen mit guter Empfangsleistung punkten. (Georg Pichler aus Taipeh, 02.06.2016)

Hinweis im Sinne der Leitlinien: Die Reisekosten und Unterbringung zur Computex werden vom Taiwan Trade Office übernommen.

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