Armenien-Resolution im Bundestag: Große Kanzlerinnenlücke

Kolumne2. Juni 2016, 17:29
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Die Zustimmung zur Resolution war ein überfälliges Statement

Hätten wir das doch vor einem Jahr schon gemacht ... Dieser Stoßseufzer entfuhr so manchem deutschen Bundestagsabgeordneten am Donnerstag bei der Verabschiedung jener Resolution, die die Gräuel des Osmanischen Reichs an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs als "Völkermord" wertet.

Aber vor einem Jahr war man noch nicht so weit, der wütende Protest der Türkei verfehlte damals im Vorfeld seine Wirkung nicht. Doch jetzt ist der Zeitpunkt ja noch viel unpassender. Denn so ganz will es sich Berlin mit Recep Tayyip Erdogan nicht verderben, da die Türkei zur Lösung der Flüchtlingskrise gebraucht wird.

Das merkte man der Debatte auch an. Es ging viel um historische Verantwortung und um Versöhnung, niemand fiel durch Türkei-Bashing einst und jetzt auf. Und immer wieder betonten die Abgeordneten die deutsche Mitschuld am Völkermord, weil Berlin einfach weggeschaut hatte.

Letztendlich gab es eine überwältigende Zustimmung zur Resolution mit dem Begriff "Völkermord". Das war keine mutige deutsche Pionierleistung, sondern ein ohnehin überfälliges Statement, das man aus anderen Ländern schon längst vernommen hatte.

Gerade weil sich die Deutschen so lange Zeit ließen, war jedoch bei der Abstimmung eine Lücke besonders groß: jene, die Kanzlerin Angela Merkel mit ihrer Abwesenheit schuf und die deutlich über dem Votum schwebte. (Birgit Baumann, 2.6.2016)

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