"Tomorrow": Was man heute kann besorgen

2. Juni 2016, 17:25
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Die französische Dokumentation zeigt Möglichkeiten für eine bessere Welt

Wien – Noch in diesem Jahrhundert könnte die Menschheit den unwiderruflichen Kollaps der Ökosysteme erleben. So konstatierten es die Wissenschafter Elizabeth Hadly und Anthony Barnosky 2012 in einer viel beachteten Studie. Bevölkerungswachstum, Klimawandel, Umweltverschmutzung und andere Gründe führen demnach zum abrupten Kippen des ökologischen Gleichgewichts. Die Alarmglocken haben guten Grund zu schrillen.

Mit ihrer Dokumentation Tomorrow suchen die französischen Filmemacher Mélanie Laurent und Cyril Dion nach Antworten auf die Frage, wie der globale Crash noch verhindert werden kann. Dabei geht es nicht um das Malen von Untergangsszenarien, vielmehr zeigen lokale Initiativen, wie auch im kleinen Rahmen ein Wandel vorangetrieben, sprich, wie jeder seinen Beitrag für eine bessere Zukunft leisten kann.

foto: polyfilm
Hat alle Hände voll zu tun: Nick Green, Gärtner der öffentlichen Gemeinschaftsgärten von Todmorden, Großbritannien.

Die Schauspielerin Laurent, der seit ihrem Mitwirken in Quentin Tarantinos Inglourious Basterds ein Hauch von Hollywood-Glamour anhaftet, übernimmt die Rolle der Fragenden, die mit dem erfahrenen Aktivisten Dion eine Entdeckungsreise rund um den Globus unternimmt. In Island und Indien, den USA und Großbritannien suchen und finden sie neue Ansätze in der Landwirtschaft, Energiegewinnung, Wirtschaft, Politik und Bildung.

Der dezidierte "Wir-schaffen-das-und-haben-auch-noch-Spaß-dabei"-Optimismus wirkt mitunter etwas naiv, besonders wenn das adrette Filmteam zwischendurch zu animierender Popmusik im Gänsemarsch durch sonnendurchflutete Haine streift. Sympathisch ist das Unterfangen trotzdem allemal, die präsentierten Ideen sind spannend.

filmcoopi

Das Beispiel einer Farm in der Normandie zeigt, dass sich durch manuellen Gemüseanbau ein größerer und qualitativ hochwertigerer Ertrag erzielen lässt als in der industriellen Landwirtschaft. In Detroit sieht man, wie vielfältig die Vorteile der Schaffung von Anbauflächen im städtischen Raum sind. Diese sind auch wesentlicher Bestandteil der sogenannten Transition-Towns-Bewegung, die den Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft anstrebt. Technische und städtebauliche Innovationen sollen die Energienutzung wesentlich effizienter gestalten, Maßnahmen wie eine ergänzende lokale Währung die Gemeinden ökonomisch stärken.

Tomorrow macht deutlich, wie einzelne Maßnahmen sich teils bedingen und teils ergänzen, um im Zusammenspiel einen Ausweg aus der bekannt problematischen Gemengelage zu weisen. Zu guter Letzt nehmen Laurent und Dion so auch noch das isländische Bemühen um eine wirklich gemeinschaftsdienliche Demokratie und – wie könnte es in Zeiten der Pisa-Studie anders sein – das finnische Schulsystem unter die Lupe.

Bildung ist schließlich elementar, und auch Tomorrow will einen Beitrag dazu leisten. Denn es ist klar, dass für ein zukünftiges Leben in Frieden und Gesundheit gehandelt werden muss. Wenn nicht morgen, dann heute. (Dorian Waller, 2.6.2016)

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