Thiem zieht ins Halbfinale ein und trifft auf Djokovic

2. Juni 2016, 16:25
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Österreichs Nummer 1 besiegt den Belgier Goffin in vier Sätzen und sorgt für das Highlight seiner Karriere – Jetzt gegen Novak Djokovic

Paris – Paris war für Dominic Thiem wirklich eine Reise wert. Am Donnerstag prolongierte der Niederösterreicher seinen Erfolgslauf bei den French Open. Erstmals steht er im Halbfinale eines Tennis-Majors. Das haben vor Thiem nur zwei österreichische Tennisspieler geschafft: Thomas Muster und Jürgen Melzer.

Im Viertelfinale setzte sich Thiem gegen David Goffin mit 4:6, 7:6 (7), 6:4, 6:1 durch. Dem Belgier, der in der Weltrangliste auf Position 13 und damit zwei Plätze vor Thiem liegt, war der Österreicher in zuvor sieben Begegnungen fünfmal unterlegen. Und auch am Donnerstag machte es ihm der 25-Jährige ganz und gar nicht leicht. Goffin ist wie Thiem ein Sandplatzspezialist. Der Belgier ist ein sicherer Grundlinienspieler, der Österreicher verfügt über die druckvolleren Grundschläge. Also war es über lange Zeit ein zähes Ringen, ein ständiges Hin und Her, das sich bei zeitweise leichtem Nieselregen auf dem Court Suzanne Lenglen zutrug.

Das Match begann mit drei Breaks, zwei für Thiem, eines für Goffin. Thiem führt mit 4:2, ehe der Faden reißt. Goffin gewinnt den Satz mit 6:4, macht sechs Games in Folge, ehe Thiem wieder in die Spur findet und das Rebreak im zweiten Satz schafft. Goffin nimmt dem Niederösterreicher noch einen Aufschlag ab: 5:3. Der Satz scheint entschieden, Thiem scheint auf verlorenem Posten. Es scheint aber nur so. Thiem schafft direkt das Rebreak und entscheidet schließlich das Tiebreak mit 9:7 für sich. Satzausgleich.

Dritter Satz: Wieder nimmt Goffin Thiem früh den Aufschlag ab, verliert ihn aber auch wieder – zum 4:4. Thiem schafft noch ein Break, geht mit 2:1 in Sätzen in Führung. Jetzt ist er obenauf, der Widerstand des Belgiers ist gebrochen, als der Niederösterreicher im vierten Satz mit 5:0 in Führung geht, insgesamt neun Games in Folge macht. Nach 2:51 Stunden verwandelt Thiem seinen ersten Matchball. Der Jubel fällt zurückhaltend aus. Nur kurz ballt er die Faust. "Es ist ein bisschen unwirklich. Aber ich bin unglaublich happy", sagte er im Interview auf dem Platz. "Ich muss mich auf morgen fokussieren."

Nummer sieben

Am Freitag geht es weiter für Thiem, ab 15 Uhr (Live auf ORF eins und im Liveticker auf derStandard.at). Er trifft auf den Branchenprimus Novak Djokovic. Ein eher schwieriges Unterfangen. Die bisherigen beiden Spiele gegen den Serben, der am Donnerstag den Tschechen Tomáš Berdych mit 6:3, 7:5, 6:3 besiegte, verlor Thiem jeweils in zwei Sätzen. Allerdings fanden beide Begegnungen auf Hartplatz statt. Und Thiem mag Sand.

Djokovic freilich kann alles. Der Titel bei den French Open fehlt dem 29-jährigen Serben noch. Ansonsten hat er alle Grand-Slam-Turniere schon gewonnen. Thiem hat natürlich noch keinen Major-Titel. Aber er ist erst 22. Am Montag wird er in der Weltrangliste zumindest Siebenter sein. Nur ein Österreicher war je besser: Thomas Muster. Der Steirer hat die French Open übrigens 1995 gewonnen. (rie, 2.6.2016)

  • Die Faust des Dominic Thiem.
    foto: apa/afp/philippe lopez

    Die Faust des Dominic Thiem.

  • Ein Versprechen für die Zukunft.

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