Rechnungshof: SPÖ nominiert Baumann und Steger

2. Juni 2016, 15:41
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Wirtschaftsprüferin und langjähriger Budgetsektionschef – Grüne und Neos nominieren am Freitag gemeinsam

Wien – Die SPÖ hat am Donnerstag ihre Kandidaten für die Nachfolge von Rechnungshofpräsident Josef Moser bekanntgegeben. Es handelt sich um die Wirtschaftsprüferin Elfriede Baumann und um Gerhard Steger, für Budgetkontrolle zuständiger Sektionschef im Rechnungshof. Das gaben Klubchef Andreas Schieder und Rechnungshofsprecher Elmar Mayer in einer Aussendung bekannt.

Baumann (60) ist Partnerin bei der Unternehmensberatungsfirma EY Österreich (früher Ernst & Young) und dort unter anderem für Energie und öffentliche Dienstleistungen zuständig. Die gebürtige Kärntnerin hat Wirtschaftspädagogik studiert, begann 1979 bei der Wirtschaftsprüfungskanzlei Süd-Ost Treuhand, seit 1995 ist sie Geschäftsführerin bei Ernst & Young. Laut einem EY-Sprecher ist Baumann kein Parteimitglied.

Steger (58) leitet ab 1997 die Budgetsektion im Finanzministerium, im April 2014 wechselte er als Chef der Budgetkontrolle an den Rechnungshof. Bereits damals gab es Gerüchte, der promovierte Politikwissenschafter könnte sich damit für die Nachfolge Mosers in Stellung bringen. Steger ist bekennendes SPÖ-Mitglied, hat sich als Verfechter eines strikten Sparkurses allerdings in den eigenen Reihen nicht nur Freunde gemacht.

Frauenpolitisches Signal, Budgetexperte

Schieder lobte Baumann als "eine höchstqualifizierte Managerin aus der Privatwirtschaft, die den wichtigen Blick von außen mitbringt". Als Quereinsteigerin stehe sie für Unabhängigkeit. Außerdem wäre ihre Wahl ein wichtiges frauenpolitisches Signal. Steger gelte als einer der besten Budgetexperten des Landes. "Gerhard Steger kennt die öffentliche Finanzgebarung so gut wie kaum ein Zweiter in Österreich", so Mayer. Außerdem genieße er hohes Ansehen über Parteigrenzen hinweg und kenne den Rechnungshof von innen.

Den Oppositionsfraktionen sagte Schieder zu, auch ihren Kandidaten "vorurteilsfrei gegenübertreten" zu wollen, wenn sie über die nötigen Qualifikationen verfügen. Alle Kandidaten müssen sich am 8. Juni einem öffentlichen Hearing im Hauptausschuss des Nationalrats stellen. Tags darauf schlägt der Hauptausschuss einen Kandidaten vor.

ÖVP, FPÖ und Neos haben bereits nominiert: Die ÖVP schickt Helga Berger, langjährige Mitarbeiterin von Rechnungshofpräsident Josef Moser, und die steirische Landesrechnungshofdirektorin Margit Kraker ins Rennen. Die FPÖ hat die wirtschaftsliberale Ökonomin Barbara Kolm nominiert, die Neos den Rechtsanwalt Wolfram Proksch. Am Freitag kommt noch eine Nominierung hinzu: Die Neos stellen mit den Grünen einen gemeinsamen Kandidaten oder eine gemeinsame Kandidatin vor.

Das Team Stronach wird ebenfalls zwei Kandidaten nominieren: Den auch von der SPÖ aufgestellten Steger und den niederösterreichischen Landtagsabgeordneten Walter Laki. (APA, 2.6.2016)

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