Zahlreiche Krabben und Muscheln werden aus der Nordsee verdrängt

5. Juni 2016, 14:16
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Forscher: Womöglich mehr als 60 Prozent der Bodenlebewesen in deutschem Einzugsgebiet betroffen

Wilhelmshaven – Der Klimawandel hat einen massiven und nachhaltigen Einfluss auf die Artenzusammensetzung der nordeuropäischen Gewässer: Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten zwei Drittel der heimischen Bodenlebewesen im deutschen Einzugsbereich der Nordsee verschwunden sein. Das berichteten Wissenschafter der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Wilhelmshaven in einer aktuellen Studie. Ursache seien steigende Wassertemperaturen und ein höherer Salzgehalt.

Nach der Prognose der Forscher, die in der Fachzeitschrift "Estuarine, Coastal ans Shelf Science" erschien und auf Annahmen des Weltklimarats IPCC basiert, könnten bis zum Jahr 2099 mehr als 60 Prozent aller bodenlebenden Arten wie Krabben, Seesterne, Seeigel oder Muscheln aus der Deutschen Bucht und der südlichen Nordsee verschwunden sein. Sie sterben nicht unbedingt aus, verlagern ihren Lebensraum aber beispielsweise nach Norden.

"In der Deutschen Bucht und der südlichen Nordsee wird es einen massiven Verlust der heimischen Fauna und wichtiger 'Ökosystem-Ingenieure' geben – mit Konsequenzen für die gesamte Flora und Fauna der Nordsee", erklärte der Studien-Erstautor Michael Weinert.

Neue Arten füllen die Lücke

In den freiwerdenden Lebensräumen dürften sich nach Ansicht der Experten eingewanderte neue Arten ansiedeln. Bereits heute lebe im Wattenmeer die aus Südostasien stammende Pazifische Felsenauster. Auch die Trapezkrabbe aus dem Mittelmeer sei in der Nordsee.

Das von den Senckenberg-Forschern verwendete und mit eigenen Messreihen kombinierte IPCC-Szenario geht von einer längerfristigen Erhöhung der Wassertemperatur von 0,15 bis 5,4 Grad Celsius und einer Steigerung des Salzgehalts des Meerwassers um 1,7 Prozent aus.

Nach ihren Angaben erhöhte sich die Wintertemperatur der Nordsee in den vergangenen Jahren bereits um etwa 1,6 Grad Celsius. Es sei gut möglich, dass die vorhergesagte Verschiebungen der Arten sogar schneller einträten als prognostiziert, erklärten sie. (APA, red, 5.6.2016)

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