Finanzloch: Dunkin Donuts in Österreich pleite

2. Juni 2016, 13:23
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Der Franchisenehmer ist zahlungsunfähig, jetzt muss abgespeckt werden

Wien – In den USA haben sie Kultstatus, weltweit stampften sie in 35 Ländern 11.000 Shops aus dem Boden. Allein in Österreich geht das Rezept mit den süßen Donuts nicht auf. Im November 2014 versuchte die Fastfood-Kette Dunkin Donuts über Lizenznehmer den Einstieg in Wien. Die Pläne waren ehrgeizig: 25 Filialen wollte Franchisenehmer Patrick Marchl aufziehen, nach Graz und Salzburg expandieren, sich in Einkaufszentren und an Bahnhöfen einmieten.

3.000 Donuts sollte jeder Standort täglich an die Kunden bringen. Allein, die erhofften Umsätze blieben aus. Die Fixkosten, die auf höhere Kapazitäten ausgerichtet waren, wuchsen den Betreibern über den Kopf. Nun wurde Insolvenz beantragt. 61 Mitarbeiter und 115 Gläubiger der M&D Restaurant Development GmbH sind laut Creditreform betroffen. Ziel ist es, den Betrieb über ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung zu erhalten. Dunkin Donuts will den Absatz über Handelsketten stärken und frequenzschwache durch bessere Standorte ersetzen.

Mehrere Anläufe

Die Systemgastronomie an sich boomt. Sie weist in Österreich Zuwachsraten von zehn Prozent aus und wächst damit dreimal schneller als die herkömmliche, nichtfilialisierte Gastronomie, erhob Regiodata Research in einer aktuellen Studie. Zwei Milliarden Euro Umsatz ließen sich mit Konzepten von McDonald's über Starbucks bis zu Restaurants der Möbelhäuser und Supermärkte erzielen. 2017 sollen zu den bestehenden rund 1.300 Filialen 150 weitere kommen. Zwei Drittel werden von Franchisepartnern betrieben.

Dunkin Donuts ist freilich nicht die erste internationale Fastfoodkette, die in Österreich mit ihren Expansionsgelüsten scheitert. Burger King brauchte ebenso mehrere Anläufe wie Starbucks. Auch Pizza Hut und Subway unterschätzten den Markt gewaltig. RegioData-Chef Wolfgang Richter macht unter nationalen Franchisenehmern vielfach fehlende Erfahrung und mangelnde Professionalität aus. Die Folge sei die Wahl falscher Standorte und zu hohe Fixkosten. "Viele schaffen es erst im zweiten Anlauf." (vk, 2.6.2016)

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    foto: jim scherer
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