Mercedes S 500: Liebe und die Luft nach oben

6. Juni 2016, 10:24
55 Postings

S Cabriolet: Über das Leben zwischen Eleganz und sehr gepflegter Kraftentfaltung

Es ist ja nicht so, dass Achtzylinder-Motoren auch nur in irgendeiner Form notwendig wären, und weiter noch, für viele sind sie sogar schon ein Synonym für das Böse am Autofahren an sich, für ungezügelten Umgang mit Ressourcen, und am Ende ließen sich sogar noch globale soziale Ungerechtigkeiten darauf reduzieren und dann daran festmachen. Und ich sage Ihnen, so schlimm ist das alles gar nicht, jedenfalls das mit dem Benzinverbrauch und auch mit den anderen Dingen. Im weiten Feld der Fragen zu unserem Mobilitätsverhalten spielt dann ein Achtzylinder eine untergeordnete Rolle. Sogar ein reiner Sportwagenhersteller wie Porsche bringt ein paar fette Motoren in seiner Flottenverbrauchs- und also CO2-Bilanz locker unter, Mercedes und BMW, die ja auch schlanke Kompakte in ihrem Programm haben, erst recht.

foto: guido gluschitsch

Im Grunde geht es darum, dass diese Autos als Speerspitze für ein motorisches Begeisterungsverhalten gedacht sind, das sich ohnehin nur die wenigsten leisten können. Und für das viele Geld wird dann eben auch viel geboten, woran sich der autoaffine Mensch sehr erfreuen kann. Mercedes nimmt dabei für sich in Anspruch, immer noch ein bisschen besser zu sein als die anderen, und zwar in jeder Hinsicht.

Noble Grundstimmung

Nähern wir uns also von außen: Das Design erfüllt tatsächlich hohe Ansprüche an Ästhetik, und man sieht auch, dass System dahintersteckt. Während oberflächliches Muskelspiel bei den kleineren Mercedes durchaus angesagt ist und Möglichkeiten bestehen, das Auto per Konfigurator für viel Geld bis über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus aggressiv zu machen, steht hier beim S-Klasse Cabrio Élegance par excellence im Vordergrund. Wer die durch und durch noble Grundstimmung brechen will, hat immer noch die Möglichkeit, zu einer der beiden AMG-Varianten zu greifen.

foto: guido gluschitsch

Die Grundannahme, dass der S-Klasse-Interessent eine gewisse Reife besitzt, gilt mehr denn je, die reichen Rüpel, die sich früher manchmal hier rumgetrieben haben, sind längst in die SUV-Abteilung abgewandert. So schien es also nun wirklich Zeit, zum ersten Mal seit 1971 wieder eine Cabrio-Version der Limousine zu bringen, zwischenzeitlich gab es ja nur die Coupé-Varianten. Jedenfalls wirkt das neue Cabrio geradezu zurückhaltend, macht sich als gestalteter Körper nicht wichtig, aber jederzeit sieht man ihm den hohen Wert an.

Komfort, Komfort und Sicherheit

Das Thema Cabrio wurde natürlich mercedesgemäß aufgedröselt mit supermultifunktionalem Heizungssystem und hoch intelligenter Klimasteuerung, einem extraflauschigen mehrlagigen Verdeck und pyrotechnisch auslösendem Überrollbügel, auf dass auch die Fondpassagiere sich in Sicherheit den Wind um die Ohren blasen lassen können. Steifigkeit ist immer ein Thema bei Cabrios. Eine Schottwand aus Aluminium und Magnesium zum Gepäckraum kompensiert im Wesentlichen die fehlende Dachstruktur, das Heck aus Aluminium sorgt dann auch noch dafür, dass das Cabrio nicht schwerer ist als sein Coupé-Pendant.

foto: guido gluschitsch

Armaturen und Bedienkonzept stellen den allerletzten Stand der Technik dar, womit das Mercedes Cabrio in dieser Reihe auch als das modernste Auto gelten darf. Bei aller Freude über die zahlreichen Verwöhnmechanismen definiert sich dieses Fahrzeug dann doch ganz wesentlich über seine fahrdynamischen Qualitäten, wobei die Verstellmöglichkeiten für Fahrwerkshärte und Antriebscharakteristik eine untergeordnete Rolle spielen. Du willst es fein und schnell haben. Und das kann das Auto immer und überall. Der Rest sind Spielereien.

Leistung und Drehmoment

455 PS genügen, könnte man sagen, wobei für die ehrgeizigen Mitglieder der Hochleistungsgesellschaft in der AMG-Version zwei weitere Leistungsstufen zu haben sind, nämlich 585 PS achtzylindrig oder gar 630 PS zwölfzylindrig. Dabei kommt es im wahren Leben ja auf ganz etwas anderes an, nämlich aufs Drehmoment: 700 Newtonmeter sollten wohl reichen (900 bzw. 1000 bei AMG). Das üppige Drehmoment kommt natürlich nicht von ungefähr, sondern von zwei Turboladern.

foto: guido gluschitsch

Was wäre die ganze Kraft und Herrlichkeit, wenn man sie nicht auf den Boden bringen würde. Also hilft dabei die Neungang-Automatik, die noch eine weitere wichtige Aufgabe erfüllt, nämlich den Motor stets in einem Betriebsbereich zu halten, in dem er möglichst wenig Sprit verbraucht. Auch in diesem Sinne wird beachtliches geleistet. Unser Durchschnittsverbrauch über alle Anstrengungen hinweg, die nicht nur aus noblem Cruisen mit 130 km/h über die Autobahn bestanden, lag am Ende bei 11,1 periodisch Liter pro 100 km. (Rudolf Skarics, 6.6.2016)

ZWEITE MEINUNG

Klar, Bentley spielt insgesamt in einer anderen Liga als Mercedes. Conti GTC und das S-Klasse Cabrio allerdings treffen sich auf Augenhöhe. Und wäre für unseren alljährlichen Friaul-Supertest eine Traumwagentrophäe zu vergeben, dieses hier wäre mein Kandidat. Elegant und nobel und mit diesem seidenweichen Gustostück von Achtzylinder, was für ein imponierend sanfter Riese. Wer’s lieber krawallig hat, kann auch zu AMG greifen. Aber als S 500 trifft dieses Cabrio stilvollendet punktgenau. (Andreas Stockinger)

Link

Mercedes-Benz

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Artikelbild
    foto: guido gluschitsch
  • Artikelbild
    grafik: der standard
  • Artikelbild
    foto: guido gluschitsch
  • Artikelbild
    foto: guido gluschitsch
  • Artikelbild
    foto: guido gluschitsch
  • Artikelbild
    foto: guido gluschitsch
Share if you care.