Streit zwischen Aldi-Erben eskaliert

2. Juni 2016, 11:18
14 Postings

Die von der Schwägerin geführten Prozesse sind laut Theo Albrecht jr. eine Belastung für das Unternehmen

Mülheim/Sattledt – Der Streit zwischen den Erben des deutschen Diskontriesen Aldi Nord spitzt sich zu. Theo Albrecht jr., der Sohn des Unternehmensgründers, warf der Witwe seines Bruders in einem Interview vor, mit ihren Bemühungen um mehr Einfluss auf die Familienstiftung dem letzten Willen ihres Mannes zuwiderzuhandeln. "Mein Bruder würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er wüsste, was hier abläuft", sagte Theo Albrecht jr. dem "Handelsblatt".

Für sich selbst nimmt der Milliardär in Anspruch: "Ich verteidige das Testament meines Bruders und die Satzung der Stiftung." Der Sinn der Stiftung sei es, das Unternehmen vor einem zu großen Einfluss der Familie zu schützen. "Dafür kämpfe ich."

Kampfeslustig

Babette Albrecht und die Kinder weisen den Vorwurf, gegen den Unternehmenssinn zu handeln, laut einem früheren Bericht des "Stern" durch ihren Anwalt zurück. Der Anwalt der Albrecht-Witwe war am Mittwoch für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Im Kern um eine Änderung der Satzung der Jakobus-Stiftung, die gemeinsam mit zwei weiteren Stiftungen – der Markus- und der Lukas-Stiftung – 100 Prozent des Aldi-Nord-Kapitals hält. Seine Schwägerin habe nicht ihn geklagt, "sondern die Stiftungsaufsicht, die die neue Satzung genehmigt hat", sagte Theo Albrecht jr. (65). Sein Bruder Berthold Albrecht war 2012 plötzlich gestorben.

Vor dem Verwaltungsgericht Schleswig erstritt Babette Albrecht im Jänner in erster Instanz die Chance auf mehr Einfluss in der Stiftung – und damit auch in dem Unternehmen. Das Gericht kippte aus formalen Gründen eine Satzungsänderung aus dem Dezember 2010, die der Kreis Rendsburg-Eckernförde als Aufsichtsbehörde angenommen hatte.

Peinliche Auftritte

Theo Albrecht jr. sieht das kritisch: Er und sein Bruder hätten die Stiftungssatzungen nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam auf den neuesten Stand gebracht. Wenn die alte Satzung wieder gelte, "könnten die Kinder von Berthold zusammen mit ihrem Anwalt das Unternehmen am Nasenring durch die Manege führen. Sie hätten damit ein unbegrenztes Erpressungspotenzial", warnte er in dem Interview. Denn das Unternehmen sei auf das Kapital der Stiftungen angewiesen, und alle drei Stiftungen müssten jeder Auszahlung zustimmen. Gelder würden etwa für die Renovierung der Filialnetze in Frankreich und Dänemark benötigt.

"Die – teilweise peinlichen – Auftritte meiner Schwägerin in der Öffentlichkeit und auch die zahlreichen von ihr geführten Prozesse sind eine Belastung für unser Unternehmen", sagte der Sohn des Gründers.

Das Schwesterunternehmen Aldi Süd, zu dem auch der Österreich-Ableger Hofer zählt, ist von dem Familienstreit nicht betroffen. In den 1960er-Jahren hatte die Familie Albrecht ihr Unternehmen in eine Nord- und eine Südhälfte aufgespalten. (APA, 2.6.2016)

  • Ein Zwist treibt einen Keil in die Eigentümerfamilie von Aldi Nord.
    foto: christian charisius

    Ein Zwist treibt einen Keil in die Eigentümerfamilie von Aldi Nord.

Share if you care.