Voest plant neues Stahlwerk in Kapfenberg

2. Juni 2016, 08:37
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Entscheidung soll in eineinhalb Jahren fallen, Konzernchef Eder will sie von Klimaschutz- und Energiegesetzgebung abhängig machen

Wien – Die Voestalpine prüft die Neuerrichtung eines Edelstahlwerks in Kapfenberg in der Steiermark. "Wir haben Überlegungen, hier ein völlig neues Stahlwerk zu bauen", sagte Konzernchef Wolfgang Eder am Donnerstag in einem Conference Call vor der Bilanzpressekonferenz. Das Investitionsvolumen läge bei 250 bis 300 Millionen Euro.

Teile des bestehenden Werks in Kapfenberg seien mehr als 100 Jahre alt. "Wir werden die Investitionsentscheidung im Laufe 2017 treffen", kündigte Eder an. Voraussetzung sei, "dass sich die Standortsituation nicht verändert". Derzeit sei die Voestalpine dabei, die Rahmenbedingungen vor Ort abzuklären, Eder verwies dabei auf Flächenwidmung und behördliche Genehmigungen.

Beschlossen werden soll der Bau in den nächsten zwölf bis 18 Monaten. "Wir wollen auch die europäische Klimaschutz- und Energiegesetzgebung in den nächsten eineinhalb Jahren abwarten – 2017 gibt es weitere Klimaentscheidungen", sagte Eder. "Wir warten, ob wir langfristig mit stabilen Rahmenbedingungen rechnen können."

Leichte Dividendenerhöhung

Im vergangenen Geschäftsjahr ist die Voestalpine bei Erlösen und Gewinn kaum vom Fleck gekommen. "2015/16 war ein Geschäftsjahr, das uns alle sehr gefordert hat", berichtete Voest-Chef Wolfgang Eder am Donnerstag bei der Bilanzpräsentation. Für das per 1. April begonnene neue Jahr erwartet er bestenfalls Ergebnisse auf Vorjahresniveau: "Wir sollten es schaffen, wieder an den EBIT und den EBITDA des Vorjahres heranzukommen", so Eder. "Alles in allem sind wir vorsichtig."

Es seien "politisch und wirtschaftlich herausfordernde Zeiten". Eine kurzfristige Besserung der globalen Wirtschaftslage sei wenig wahrscheinlich. Europa sei zuletzt noch eine der Regionen mit der besten Entwicklung gewesen – der Aufwärtstrend habe sich fortgesetzt, allerdings mit massiven regionalen Unterschieden. Aus den wichtigen Märkten Brasilien und Russland – beide in tiefer Rezession – sei weiterhin kein Wachstum zu erwarten.

Unterschiedliche Entwicklungen

Insgesamt recht gut lief es für die Voest im abgelaufenen Jahr in den Bereichen Automobilzulieferung, im Bahn/Bahninfrastruktur- sowie im Luftfahrtgeschäft; Probleme gab es aber – infolge des weltweiten Preisverfalls bei Rohstoffen – im Energiesektor. Die Sektoren Öl und Gas, und auch elektrische Energie, seien massiv unter Druck und investierten wenig, so der Konzernchef.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhte sich der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im Jahresabstand um 3,5 Prozent auf 1,58 Mrd. Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) stabilisierte sich bei 889 Mio. Euro (plus 0,3 Prozent). Der Jahresüberschuss verbesserte sich leicht um 1,2 Prozent auf 602 Mio. Euro. (APA, Reuters, 2.6.2016)

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