"Plen": Der Raspberry Pi unter den Robotern ausprobiert

2. Juni 2016, 17:55
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Ein spielerischer und offen gestalteter Einstieg in die Robotik mit Intels Edison-Chip

Chiphersteller Intel hat sich auf der diesjährigen Computex nicht nur eine lange Keynote, sondern auch eine recht üppige Messepräsenz gegönnt. Im Schlepptau hat das Unternehmen dabei auch andere Firmen, die – wenig überraschend – auf die eigenen Produkte setzen.

Neben den Herstellern von Laptops und anderen Geräten sind auch Roboter am Intel-Stand zu finden. Einer davon ist der "Plen Desktop Robot", den es mittlerweile in der zweiten Generation gibt. Er soll Schülern, Studenten und anderen Interessierten einen spielerischen und einfachen Einstieg in die Robotik ermöglichen. Der WebStandard hat vor Ort in Taipeh einen Blick auf die "Lernmaschine" geworfen.

foto: derstandard.at/plen

Einfacher Roboter

"Plen" ist ein humanoider Roboter. Er ist also äußerlich einem Menschen nachempfunden, verfügt über vier bewegliche Gliedmaßen und bewegt sich auf seinen Beinen fort. Sein Gehirn bildet Intels Edison-Chip, eine auf das Internet der Dinge ausgelegte Plattform, die Arduino-kompatibel ist.

Zahlreiche Motoren und Gelenke dienen zur Bewegung des Roboters. Seine Verschalung besteht aus Kunststoff. Sie ist, wie auch die anderen Bestandteile, Open Source und kann mit einem 3D-Drucker selber nachgefertigt werden. Das Sensorenrepertoire ist allerdings beschränkt. Mittels sechsachsigem Beschleunigungssensor hält sich Plen im Gleichgewicht. Seine Umgebung nimmt er nicht wahr.

foto: derstandard.at/plen

Tanzen und Tragen

Ferngesteuert wird er via Bluetooth-Anbindung. Dabei lässt er sich einfach in alle Richtungen bewegen und auch vordefinierte Bewegungsabläufe sind einrichtbar. Auf diese Weise kann der Roboter Tanz-Moves ausführen, Fußball spielen oder Skaten, sofern man ihm entsprechende Rollen anlegt.

Auch kleine, leichte Gegenstände kann er anheben und tragen. Eine leere Wasserflasche vermag er problemlos zu heben, für eine volle Bierdose – so jemand bereits an eine Anschaffung anlässlich der Fußball-EM denkt – ist die 20 Zentimeter hohe und 450 Gramm wiegende Maschine allerdings selber zu leicht.

foto: derstandard.at/plen

Erweiterbar

Aufgrund der Offenheit von Hardware und Software können gewiefte Tüftler Plen aber selber anpassen und erweitern. Oder bei Bedarf auch günstiger gestalten. Südafrikanische Entwicklern ist es etwa gelungen, die Anschaffungskosten zu drücken, in dem sie die vorgesehenen Servomotoren mit billigeren Modellen ersetzt und den Rest entsprechend angepasst haben, erzählt James Giller vom Hersteller Plengoer Robotics. Allgemein gäbe es eine recht aktive und hilfsbereite Community, die Neueinsteigern gerne unter die Arme greift.

Programmiert wird der smarte Humanoide mit Hilfe einer Middleware namens ROS. Sie managt die Kommunikation zwischen Steuergerät und dem Roboter. Zum Einsatz kommen diverse Sprachen, wie etwa C++, C# oder Java.

foto: derstandard.at/plen

Offenes Prinzip

In seiner Standardausführung gibt es den Lernroboter ab 550 Dollar. Die günstigste Variante ist ein Kit zum selber zusammenbauen, für das man die Verschalung allerdings selber ausdrucken muss. Ordert man Plen in vollständig zusammengesetzter Ausführung, sind knapp 1.000 Dollar zu begleichen.

Auch wenn die Kostenhürde keine geringe ist, erinnert das Gerät vom Prinzip her an den Raspberry Pi. Auch der Rechner im Kreditkarten-Format wird vorrangig als Lerntool angepriesen. Und trotz seiner Performancelimits ermöglicht sein offenes Konzept enorm viele Verwendungsmöglichkeiten – wie seine Entwicklergemeinde stets aufs neue beweist. (Georg Pichler aus Taipeh, 02.06.2016)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Reisekosten und die Unterbringung zur Computex werden vom Taiwan Trade Office übernommen.

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