Was Österreichs Banken beliebig austauschbar macht

4. Juni 2016, 12:00
101 Postings

Statt zu sparen, sollten Österreichs Banken laut einer Studie versuchen sich abzuheben. Für Mehrwert würden Kunden bereit sein zu zahlen

Wien – Sie gleichen einander beinahe wie ein Ei dem anderen – sofern man von wenigen Ausnahmen absieht. Gemeint sind die Akteure der heimischen Bankenlandschaft, denen eine aktuelle Studie ein durchwachsenes Zeugnis ausstellt: "Österreichs Großbanken sind untereinander austauschbar", erklärt Wolfgang Wainig, Partner der Beratungsgesellschaft Keylens Management Consultants, welche die Bankenstudie durchgeführt hat. "Sich abzuheben ist möglich, aber dazu braucht es eine klare Positionierung."

Zur Veranschaulichung zieht Wainig die beinahe branchenweiten Sparanstrengungen samt Abbau von Mitarbeitern und Filialen heran: Demnach spielt für 30 Prozent der Kunden die Erreichbarkeit einer Filiale eine entscheidende Rolle bei der Wahl ihrer Bank, sie suchen Bezug zum Geldhaus. "Wenn eine Bank Filialen schließt und Berater abbaut, nimmt sie sich diese Bastion."

Kostendisziplin zu wenig

"Es gibt mehr als reine Kostenabbaustrategien", meint Wainig, "man kann auch differenziert auftreten." Kostendisziplin hält der frühere Banker zwar für wichtig, allerdings seien für die Profitabilität eines Instituts weniger die Kosten denn die Ertragsseite ausschlaggebend. "Der Kunde hat Bereitschaft, für Leistung zu bezahlen."

Als Beispiel nennt er die 3 Banken-Gruppe. Diese hebt sich laut der Studie, für die mehr als 2300 heimische Bankkunden befragt wurden, von der breiten Masse der Geldhäuser dadurch ab, dass 34 Prozent ihrer Kunden "kompetente Berater" als Grund für die Wahl des Instituts angeben. Weit mehr als die Konkurrenz, die im Schnitt nur auf 19 Prozent kommt. Die Strategie der Gruppe sei auf Kunden mit höherer Bildung ausgerichtet, die bewusst über ihre Bankverbindung entscheiden, erklärt Wainig.

Weil's immer schon so war

Auf die Mehrheit der Bankkunden trifft das derzeit nämlich nicht zu. Mehr als ein Drittel geben als Grund an, schon immer bei der jeweiligen Bank gewesen zu sein – was nicht auf eine bewusste Vernunftsentscheidung hinweist. Bei der Bank Austria gaben dies sogar 45 Prozent als Grund an. Jene Kunden, welche unsachliche Gründe für die Wahl des Instituts wie "immer schon" nennen oder "Sicherheit der Einlagen" – der Einlagenschutz gilt für alle Institute -, könnten früher oder später bereit sein, der Hausbank den Rücken zu kehren: "Es müsste eine Bank mit stärkerer Differenzierung kommen, dann gibt es Wechselbereitschaft", meint Wainig.

Dazu zählt er auch Direktbanken wie Easybank oder INGDiba, die durch ihr Preis-Leistungs-Verhältnis hervorstechen. Aber auch im Bereich des Onlineauftritts können sich Institute laut Wainig abheben: "Bisher muten die Banken ihre inneren IT-Bedürfnisse den Kunden zu. Wer andere Lösungen findet, wird in diesem Bereich vorne sein." Als Beispiel dient die Onlineplattform George der Erste Bank. Dieses biete nicht nur Netbanking, sondern auch einen Appstore. "Das bietet mir einen Zusatznutzen", meint Waining, der bald Nachahmer am Markt erwartet.

Grundsätzlich zufrieden

Aber die Studie bringt für die österreichische Bankenlandschaft auch gute Nachrichten. Demnach gaben 71 Prozent an, grundsätzlich zufrieden zu sein. 70 Prozent der Befragten wollen ausschließlich bei einer österreichischen, klassischen Bank Kunde sein. Und 35 Prozent nehmen ihr Institut als Freund wahr. "Genau das möchte ich als Bank erreichen", sagt Wainig hinsichtlich der emotionalen Positionierung.

Vorerst keine Angst zu haben brauchen die Geldhäuser vor aufstrebenden Start-ups, die Bankdienstleistungen anbieten – bloß vier Prozent können sich vorstellen, ihr Geld diesen sogenannten Fintechs anzuvertrauen. "Fintechs sind noch gar nicht in der Wahrnehmung der Kunden angekommen", folgert der Experte. Das könne sich aber ändern, sobald jemand das "iPhone der Bankdienstleistungen" auf den Markt bringe. "Wer als Erster lernt, aus dem begeisterten Kunden heraus Geld zu verdienen, der hat gewonnen", urteilt Wainig. "Die Banken sind dafür in der besten Startposition. (Alexander Hahn, 4.6.2016)

  • Artikelbild
    foto: standard
Share if you care.