Der Meteoritendolch des Pharaos

1. Juni 2016, 17:59
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Das Metall einer Dolchklinge, die dem Pharao Tutanchamun mit ins Grab gegeben wurde, dürfte von einem Eisenmeteoriten stammen

Mailand/Wien – Mehr als 3300 Jahre sind seit seinem Tod vergangen, doch es wird nicht leise um den legendären Pharao Tutanchamun. Seit letztem Jahr sorgt eine Theorie des britischen Ägyptologen Nicholas Reeves für Aufregung: Er berichtete von Hinweisen auf geheime Räume hinter der Grabkammer Tutanchamuns und mutmaßt gar, dass es sich dabei um das Grab der Nofretete handelt.

Der frühere ägyptische Antikenminister Mamdouh el-Damati und der japanische Radarexperte Hirokatsu Watanabe befeuerten die spektakuläre Theorie in groß inszenierten Pressekonferenzen, inzwischen gibt es aber erhebliche Zweifel daran. Nachfolgende Untersuchungen brachten keine Hinweise auf Hohlräume, doch die beteiligten Wissenschafter halten sich aufgrund von Exklusivverträgen mit "National Geographic" bedeckt, wie die "Süddeutsche Zeitung" aktuell berichtet. Auch das Antikenministerium hüllt sich neuerdings in Schweigen.

Kosmische Klinge

Doch welche Wendung die Geschichte auch nehmen mag, das Pharaonengrab liefert indes andere spannende Neuigkeiten. Wie italienische und ägyptische Forscher im Fachblatt "Meteoritics and Planetary" Science berichten, dürfte ein Dolch aus dem Grab Tutanchamuns teilweise kosmischen Ursprungs sein: Die Klinge des prachtvollen Artefakts, das nach der Entdeckung des Grabes 1922 am Oberschenkel der Pharaonenmumie gefunden wurde, besteht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus Meteoritenmetall.

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Daniela Comelli (Polytechnikum Mailand) nach neuen Untersuchungen des Dolches mittels Röntgenfluoreszenzspektroskopie. Demnach besteht die Klinge aus einer Eisenlegierung mit 10,8 Prozent Nickel und 0,6 Prozent Kobalt. "Der hohe Nickelanteil und die Kobaltspuren sprechen deutlich für einen extraterrestrischen Ursprung", so Comelli. Aus Eisenmeteoriten gefertigte Gegenstände waren in der Antike ob ihrer Seltenheit weitaus kostbarer als Gold, aus dem der verzierte Griff und die Scheide des Dolches bestehen.

Verdächtiger Meteorit

Um herauszufinden, von welchem Meteoriten das Metall stammen könnte, verglichen die Forscher die Zusammensetzung der Klinge mit Meteoritenfunden aus der Region. Und tatsächlich fand sich ein Eisenmeteorit, dessen Bestandteile genau passen: Der Meteorit Kharga, der im Jahr 2000 auf einem Kalksteinplateau nahe Alexandria entdeckt wurde, weist die gleiche Zusammensetzung auf.

Die Klinge war übrigens nicht das einzige Meteoritenmaterial, das Tutanchamun mit auf seine Reise ins Jenseits bekam: Der Skarabäus am Brustschmuck des Pharaos besteht aus Impaktglas, das durch einen Meteoriteneinschlag entstanden sein muss. (David Rennert, 2.6.2016)

  • Der Dolch misst 34,2 Zentimeter. Griff und Scheide sind aus Gold, das Material der Klinge dürfte kosmischen Ursprungs sein.
    foto: comelli / meteoritics & planetary science

    Der Dolch misst 34,2 Zentimeter. Griff und Scheide sind aus Gold, das Material der Klinge dürfte kosmischen Ursprungs sein.

  • Der Skarabäus (Bildmitte) im Schmuck des Pharaos ist aus Impaktglas gefertigt, das durch den Einschlag eines Meteoriten entstand.
    foto: roland unger/ (CC-Lizenz)

    Der Skarabäus (Bildmitte) im Schmuck des Pharaos ist aus Impaktglas gefertigt, das durch den Einschlag eines Meteoriten entstand.

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