Unwetter in Deutschland fordern zehn Todesopfer

3. Juni 2016, 05:33
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Sechstes Opfer in Niederbayern gefunden – Auch Bewohner von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kämpfen mit Überschwemmungen – Millionenschäden

Simbach am Inn – Die Zahl der Todesopfer durch das verheerende Hochwasser in Niederbayern ist auf sechs gestiegen. Am Donnerstagabend sei in Simbach am Inn die Leiche eines 65-Jährigen gefunden worden, teilte die Polizei-Einsatzzentrale Niederbayern mit. Der Mann stamme aus dem Landkreis Rottal-Inn.

Nach den schweren Unwettern der vergangenen Tage hat sich die Zahl der Toten in Deutschland somit auf insgesamt zehn erhöht. Vier Menschen starben bereits zu Wochenbeginn in Baden-Württemberg, sechs kamen bei dem Hochwasser in Niederbayern ums Leben.

Der Sachschaden geht allein im besonders betroffenen Landkreis Rottal-Inn in den dreistelligen Millionenbereich. Die vom Hochwasser betroffene Fläche hat die doppelte Größe des Chiemsees.

Suche unterbrochen

Taucher hatten in den überfluteten Räumen ihrer Häuser nach weiteren Opfern gesucht, mussten aber ihren Einsatz wegen der starken Strömung zwischendurch abbrechen. Unter den Toten, die bereits am Mittwoch geborgen wurden, sind drei Frauen im Alter von 28, 56 und 78 Jahren. Es handle sich um Tochter, Mutter und Großmutter, berichtete ein Polizeisprecher. Die vierte Tote ist eine 80-Jährige, die in Julbach entdeckt wurde. Viele Menschen sind noch in Sorge, weil sie Angehörige oder Freunde nicht erreichen können.

Politiker versprachen unterdessen rasche Hilfe. "Der Freistaat Bayern wird die Geschädigten, die zum Teil ihr ganzes Zuhause verloren haben, nicht alleine lassen, sondern – wo immer nötig – schnell und unbürokratisch helfen", betonte Ministerpräsident Horst Seehofer in München. "Ähnlich wie beim Hochwasser 2013 werden wir 1.500 Euro zur Verfügung stellen", kündigte Finanzminister Markus Söder (CSU) nach einem Überflug über das Katastrophengebiet an.

Kinder saßen in Schulen fest

Hunderte Kinder mussten bis in die Abendstunden in ihren Schulen ausharren, weil sie vom Wasser eingeschlossen waren. In Triftern übernachteten 14 Kinder mit ihren Betreuern deshalb im Schulhaus. Rettungskräfte, Betroffene und viele freiwillige Helfer versuchten am Tag nach der Katastrophe, Häuser und Straßen von Schlamm und Treibgut zu befreien. In Simbach war das Technische Hilfswerk damit beschäftigt, Personen zu retten, die in ihren Häusern von den Wassermassen eingeschlossen waren. In den Marktgemeinden Tann und Triftern pumpten Helfer Häuser und Straßen leer.

In Bad Griesbach im Landkreis Passau, das ebenfalls von den Fluten stark betroffen war, war es am frühen Morgen gelungen, eine Notstromversorgung einzurichten. Durch das Hochwasser hatte es teilweise weder Strom noch Wasser gegeben. Mehrere Schulen blieben geschlossen, Abschlussprüfungen wurden mancherorts ausgesetzt.

Erschwert wurde die Arbeit der Polizei durch unvernünftige Autofahrer, die auf gesperrten Straßen unterwegs waren. Deshalb sei es schon zu mehreren Unfällen gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Das halte von der wichtigen Arbeit ab, nach Vermissten zu suchen und Menschenleben zu retten. Viele Straßen seien völlig unterspült, auch Brücken und Überführungen seien einsturzgefährdet. Zudem wurden zwei Plünderer festgenommen, die ein Autoradio stehlen wollten.

Camper gerettet

Glimpflich davongekommen ist bisher die Stadt Passau, in deren Landkreis am Vortag der Katastrophenfall ausgerufen worden war: Zwei Uferstraßen mussten gesperrt werden, der vorhergesagte Höchststand der Wassermassen wurde jedoch nicht erreicht.

Zahlreiche Campingurlauber sind unterdessen in Altenahr im nördlichen Rheinland-Pfalz mit einem Polizeihubschrauber vor dem Hochwasser gerettet worden. Einige seien auf den Dächern ihrer Wohnwagen vom Wasser eingeschlossen gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Andere hätten sich auf einen nahe gelegenen Hügel mit einer Kapelle gerettet und seien von dort ausgeflogen worden. Die Ahr war in der Nacht auf Donnerstag über die Ufer getreten und hatte die Camper auf den Zeltplätzen überrascht. Die Ahr habe mit 3,96 Metern am Vormittag einen bisher noch nie gemessenen Höchststand erreicht, sagte der Polizeisprecher. Sogar beim Jahrhunderthochwasser 1993 habe der Pegel darunter gelegen. Normalerweise liegt der Pegel der Ahr bei rund einem Meter.

Louvre geschlossen

Wegen des Hochwassers in Paris bleibt das weltberühmte Louvre-Museum in Paris am Freitag geschlossen. In den unterirdischen Depots gelagerte Werke müssten in Sicherheit gebracht werden, teilte das Museum am Donnerstag mit. Die in von Überschwemmungen bedrohten Räumen lagernden Werke sollten in höhere Etagen gebracht werden.

Wegen der heftigen Regenfälle der vergangenen Tage ist die durch Paris fließende Seine stark angeschwollen. Am Donnerstagnachmittag betrug der Pegelstand mehr als fünf Meter, am Freitag werden sechs Meter erwartet. Die Uferstraßen sind überflutet und gesperrt. Der Louvre, in dem unter anderem die Mona Lisa ausgestellt ist, liegt an der Seine. (APA, 1.6.2016)

  • Auch am Donnerstag kämpften die Einsatzkräfte in Deutschland gegen die schweren Überschwemmung. Vor allem die Ortschaft Simbach am Inn war von den Unwettern schwer getroffen worden.
    foto: reuters/michaela rehle

    Auch am Donnerstag kämpften die Einsatzkräfte in Deutschland gegen die schweren Überschwemmung. Vor allem die Ortschaft Simbach am Inn war von den Unwettern schwer getroffen worden.

  • Schutt liegt am 02.06.2016 in Untertürken (Bayern) vor einem halb weggerissenen Haus. Das verheerende Hochwasser in Niederbayern hat mindestens fünf Menschen in den Tod gerissen.

    Schutt liegt am 02.06.2016 in Untertürken (Bayern) vor einem halb weggerissenen Haus. Das verheerende Hochwasser in Niederbayern hat mindestens fünf Menschen in den Tod gerissen.

  • Deutlich sichtbar sind am 02.06.2016 in den überfluteten Straßen von Simbach am Inn (Bayern) die Schäden nach dem Hochwasser. Ein Hochwasser hat im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn mindestens vier Tote gefordert.
    foto: apa/dpa/tobias hase

    Deutlich sichtbar sind am 02.06.2016 in den überfluteten Straßen von Simbach am Inn (Bayern) die Schäden nach dem Hochwasser. Ein Hochwasser hat im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn mindestens vier Tote gefordert.

  • Der Stadtplatz ist überflutet am 02.06.2016 in Simbach am Inn (Bayern). Ein Hochwasser hat im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn mindestens fünf Tote gefordert.
    foto: apa/dpa/sven hoppe

    Der Stadtplatz ist überflutet am 02.06.2016 in Simbach am Inn (Bayern). Ein Hochwasser hat im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn mindestens fünf Tote gefordert.

  • in Frankreich trat der Fluss Cosson über die Ufer
    foto: apa/afp/guillaume souvant

    in Frankreich trat der Fluss Cosson über die Ufer

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