User-Wertung: Wie hat Ihnen "Vor der Morgenröte" gefallen?

Umfrage13. Juni 2016, 13:43
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Josef Hader spielt Stefan Zweig. Maria Schrades Film zeichnet die letzten Jahre des jüdischen Autors im Exil nach. Was sagen Sie zu dem Film?

Es sind die letzten Jahre Stefan Zweigs. Der dem jüdischen Großbürgertum entstammende Autor ist bereits fern der Heimat, als der Film einsetzt. Maria Schraders Werk porträtiert einen entwurzelten Menschen, dessen Flucht vor dem nationalsozialistischen Regime ihn über die Schweiz, London und New York schließlich nach Brasilien führt. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Zweig (dargestellt von Josef Hader) nimmt sich 1942 gemeinsam mit seiner Frau Lotte das Leben.

Diese letzten Stationen seines Leben zeichnet der Film nach, und obwohl keine der Szenen in Europa spielt, bleibe "dieses an den Nationalismus und den Krieg verlorene Reich stets spürbar". Es sei weder "greifbar, auch kaum verhandelbar", aber als "Erinnerungsbild, das auf dem Helden lastet, anwesend", heißt es im STANDARD.

Was sagen die Kritiken?

Die Melancholie der Hauptfigur, die im Exil die untergegangene Heimat vermisst, vermag der Film behutsam einzufangen, urteilt der STANDARD. "Diese Sensibilität für die Zerrissenheit eines Überlebenden, dem genau dieses Überleben zum wachsenden Hindernis wird", sei nur eine Qualität von "Vor der Morgenröte". Denn der Film verliere sich nicht in einem historischen Bilderreigen, sondern finde einen differenzierteren Zugang – sowohl zum Historischen als auch zum Biografischen. Gelobt wird Hader, dessen Spiel von Schüchternheit und sanfter Verträumtheit zeuge, die "Traurigkeit dieses Komödianten" werde so ein "umso wirkmächtigeres Instrument".

Die Regisseurin hat eine offene Form der Inszenierung gewählt, die szenische Verknappung orientiere sich hierbei am Ordnungsprinzip von "Sternstunden der Menschheit". Sowohl Kampfgeist als auch Ohnmacht Zweigs arbeite der Film heraus. Das Porträt entstehe in den Detailfragen, "im Fluchtpunkt der Bilder, den Gesten, dem Vertrauen ans Ungesagte, in der Stille", schreibt die "Zeit". Sie urteilt, dass Schraders Film weniger Biopic sei denn eine psychologische Studie eines Mannes, "dessen humanistisches Weltbild von den politischen Ereignissen eingeholt wird". Die Darstellung Zweigs wird ebenfalls hervorgestrichen. Hader sei eine kongeniale Projektionsfläche für die Zerrissenheit des Schriftstellers. Die ungewöhnliche Wahl sei ein Glücksfall, die Zuschauererwartung an den Komödianten würde stetig unterlaufen, und sein Spiel offenbare in seiner "subtilen Psychologie" Leerstellen, die nicht restlos ausdeutbar seien.

Sowohl in erzählerischer als visueller auch in Hinsicht sei der Film ein Triumph. Neben Schraders inszenatorischem Geschick wird auch die Kameraarbeit von Wolfgang Thaler gelobt: Die Bilder seien nie mit "unnötiger Geschichtspatina behaftet". Die Kamerafahrten seien von einem "unaufdringlichen, fast zeitlosen Rhythmus". Was Hader schon in seinem Spiel anlege, werde von der Kamera kongenial unterstützt, sodass nicht auf ein fertiges Bild von Stefan Zweig abgezielt werde, die gesamte Inszenierung künde vom Respekt gegenüber dem Menschen Zweig.

Was sagen Sie?

Wie hat Ihnen der Film "Vor der Morgenröte" gefallen? Können Sie mit einzelnen Aspekten der Kritik etwas anfangen, oder haben Sie eine gänzlich andere Meinung zu dem Gesehenen? (jmy, 13.6.2016)

  • Josef Hader als Stefan Zweig im Exil.
    foto: filmladen

    Josef Hader als Stefan Zweig im Exil.

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