EZB kauft Firmen deren Schulden ab

2. Juni 2016, 09:34
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Notenbank beginnt mit dem Aufkauf von Unternehmensanleihen

Wien – Angekündigt hat es die Europäische Zentralbank schon vor Monaten, nun macht sie Ernst: Mit Juni beginnt sie mit dem Aufkauf von Unternehmensanleihen. Eigentlich borgen sich große Firmen über solche Papiere Geld von Investoren. Jetzt gibt es aber noch einen anderen kräftigen Finanzier: die Zentralbank, die das Geld dafür theoretisch beliebig vermehren kann.

Wenn Unternehmen Anleihen begeben, dann brauchen sie keine Kredite von Banken aufzunehmen, die in der Regel teurer sind. Das funktioniert in etwa so: Ein Unternehmen, sagen wir Apple, will sich eine Milliarde Dollar borgen. Es verkauft kleine Tranchen der Anleihe an Fonds und andere Anleger. Man kann also auch mit einer Million Dollar an der großen Anleihe teilhaben.

Zusätzliche Nachfrage

Je größer die Nachfrage nach einer Anleihe ist, desto billiger wird sie für das Unternehmen. Indem die EZB jetzt für zusätzliche Nachfrage sorgt, dürften die Firmen billiger an Geld kommen. Das ist insgesamt die Logik hinter der Politik des billigen Geldes der Zentralbank: Firmen und Konsumenten sollen dazu gebracht werden, mehr Geld auszugeben.

Wie jede Maßnahme der EZB stößt aber auch der Aufkauf von Firmenanleihen auf Kritik, besonders in Deutschland. Der Berliner Anwalt Markus Kerber hat eine Klage gegen den Aufkauf der Unternehmenspapiere beim Verfassungsgericht in Karlsruhe eingebracht. Mit einer Gruppe von Professoren und Unternehmern möchte er prüfen lassen, ob die EZB ihr Mandat überschreitet. Die Karlsruher Richter müssen sich nicht zum ersten Mal mit der Politik der Notenbank beschäftigen.

Vorgaben der Richter

Schon die Ankündigung von EZB-Präsident Draghi im Jahr 2012, im Notfall Staatsanleihen kriselnder Länder aufzukaufen, wurde in Karlsruhe geprüft. Die Richter gaben der EZB ein paar Rahmenbedingungen mit auf den Weg, überließen ihr aber großteils die Entscheidungsfreiheit über ihre Politik.

Von Ökonomen gibt es für die Ausweitung des Kaufsprogramms auf Firmenanleihen sowohl Lob als auch Kritik. Sie gehen jedenfalls davon aus, dass die Maßnahme in Europa weniger bewirkt wie in den USA. Auf der anderen Seite des Atlantiks gibt es deutlich mehr große Unternehmen, die diese Form der Finanzierung verwenden. Das lässt den Effekt auf dem Alten Kontinent kleiner ausfallen. (sat, 2.6.2016)

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