Vortrag zum jüdischen Exil in Asien eröffnet Tagung von Zeithistorikern

3. Juni 2016, 15:17
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Treffen von Zeithistorikern deckt breite Themenpalette ab

Graz – Die größte wissenschaftliche Veranstaltung für Zeithistoriker in Österreich findet ab dem 9. Juni in der Steiermark statt: Der "Österreichische Zeitgeschichtetag" zieht ab dem 9. Juni unter dem Motto "Konstruktive Unruhe" rund 500 Experten an die Universität Graz. Am Programm stehen rund 170 Vorträge an drei Tagen, die sich mit den verschiedensten Aspekten der jüngeren Vergangenheit auseinandersetzen.

Breite Themenpalette

Die österreichische Zeithistorikertagung findet alle zwei Jahre statt und wird heuer vom Institut für Geschichte und dem Centrum Jüdischer Studien der Universität Graz in Kooperation mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Gesellschafts- und Kulturgeschichte durchgeführt. Den Eröffnungsvortrag zum jüdischen Exil in der Sowjetunion, Iran und Indien wird Atina Grossmann, Professorin für Moderne Deutsche und Europäische Geschichte am Cooper Union College in New York, halten. Der Freitagabend ist dem Grazer Professor für Zeitgeschichte, Helmut Konrad, gewidmet, der mit 30. September emeritiert.

Zeitgeschichte als Forschungsfeld sei "heterogen, wandelbar, vielschichtig und in Bewegung", so die Organisatoren unter der Leitung des Grazer Zeithistorikers Helmut Konrad. Die Tagung in Graz wolle diese "produktive und konstruktive Unruhe in der gegenwärtigen zeithistorischen Forschungslandschaft" möglichst breit abbilden. Schwerpunkte sollen theoretisch-methodische Debatten ebenso sein, wie auch innovative Fragestellungen, Projekte und Studien.

Das Relevante herausfiltern

Aus Sicht von Helmut Konrad ist die Zeitgeschichtsforschung als jüngster Teilbereich der historischen Forschung unter anderem deshalb so speziell, weil sie mit großer Emotionalität verknüpft ist: "Zu vielen der thematisierten Ereignisse gibt es noch Zeuginnen und Zeugen mit persönlicher Sichtweise der Geschehnisse. Aus dieser Vielzahl von Perspektiven das Relevante herauszufiltern und durch Vergangenheit die Gegenwart zu erklären, ist die große Herausforderung dieser Disziplin", erklärte der organisatorische Leiter der Tagung.

In einer Zeit, in der in Österreich, in Europa und in der Welt vieles in Bewegung ist, sei Zeitgeschichte nur bedingt eine wissenschaftliche Disziplin, die ein Orientierungsangebot liefern könne. Aber sie könne "die mittelfristigen Entwicklungslinien in Politik, Kultur, Wirtschaft und in den sozialen Zusammenhängen nachzeichnen und so ein rationales Fundament für die gegenwärtigen Diskurse liefern", wie Konrad betonte.

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Tagung liegen u.a. auf dem Ersten Weltkrieg und seinen Folgen oder auch auf den politischen Positionierungen von ehemaligen Nationalsozialisten in Österreich nach 1945. Es werden neue Forschungen zur Geschichte der österreichischen Staatsverschuldung oder auch das nachrichtendienstliche Geschehen seit den späten 1940er-Jahren präsentiert. Weitere Themen sind u.a. die Verfolgung von Homosexuellen, weltweite aber auch regionale Migrationsbewegungen bis hin zur Frage, wie guter Zeitgeschichtsunterricht gestaltet sein sollte. (APA, 3. 6. 2016)


"Konstruktive Unruhe. Österreichischer Zeitgeschichtetag 2016." Freier Eintritt. 9. – 11. Juni im Hauptgebäude der Universität Graz bei freiem Eintritt.

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